Rote Haare und Genetik: Wie entsteht die Haarfarbe und birgt sie Risiken?
Veröffentlicht: 07/10/2026
Zuletzt aktualisiert: 07/10/2026
Während wir braunhaarige sowie schwarzhaarige Menschen und blondes Haar häufig sehen, gelten Rothaarige als Besonderheit. Sie werden zudem mit anderen besonderen Merkmalen und sogar gesundheitlichen Auffälligkeiten in Verbindung gebracht. Natürliche, rote Haare können innerhalb einer Familie auch bei Kindern auftauchen, deren Eltern selbst nicht rothaarig sind.
Was ist dran an den Mythen und Fakten rund um rotes Haar? Hier lesen Sie mit Blick auf die Genetik und Lebensweise, wie die Erbanlagen rotes Haar beeinflussen, ob rote Haare im Alter grau werden und ob Menschen, die sie tragen, anfälliger für bestimmte gesundheitliche Probleme sein können.
Was sind die wichtigsten Fakten über Rothaarige?
- Rote Haare entstehen durch ein besonderes Verhältnis der Pigmente Eumelanin und Phäomelanin. Bestimmte Varianten des MC1R-Gens fördern einen höheren Anteil des rötlich-gelben Phäomelanins, doch auch andere Gene sind an der Haarfarbe beteiligt.
- Zwei nicht rothaarige Eltern können ein rothaariges Kind bekommen. Beide können rezessiv entsprechende Genvarianten weitergeben, ohne selbst eindeutig rote Haare zu haben.
- Rote Haare gehen häufig mit heller und sonnenempfindlicher Haut einher. Betroffene sollten deshalb besonders auf einen zuverlässigen Schutz vor UV-Strahlung achten.
Wie viele rothaarige Menschen gibt es?
Ob rotblond, helles Rot oder kastanienbraun: Rotes Haar kann in vielen Farbtönen auftreten. Natürlich rote Haare kommen bei etwa ein bis zwei Prozent der Weltbevölkerung vor. Es gibt jedoch deutliche Unterschiede zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Besonders verbreitet ist rotes Haar bei Menschen mit nord- und nordwesteuropäischer Abstammung, etwa in der Population von Irland und Schottland.
Spanische Forschende fanden 2007 bei der Analyse von DNA Hinweise darauf, dass bereits etwa ein Prozent der Neandertaler rote Haare hatte. Der Grund dafür scheint eine Mutation des MC1R-Gens zu sein, die wir Menschen heutzutage nicht aufweisen.
Wie entstehen natürliche rote Haare?
Die Haarfarbe hängt von der Art und Menge des Melanins im Haar ab. Melanin ist eine Gruppe von Pigmenten, die von spezialisierten Zellen in den Haarfollikeln gebildet wird, den sogenannten Melanozyten. Zwei Arten von Melanin prägen die Haarfarbe besonders:
- Eumelanin sorgt vor allem für braune und schwarze Farbtöne.
- Phäomelanin trägt vor allem zu roten und gelblichen Farbtönen bei.
Das MC1R-Gen beeinflusst das Verhältnis dieser Pigmente. Ist der Melanocortin-1-Rezeptor aktiv, fördert er die Bildung von Eumelanin. Dadurch entstehen eher braune oder schwarze Haare.
Bestimmte Varianten des MC1R-Gens verringern die Funktion des Rezeptors. Dadurch bilden die Melanozyten weniger Eumelanin und mehr Phäomelanin. Dieses veränderte Pigmentverhältnis kann zu roten Haaren beitragen.
MC1R ist das am besten untersuchte und für rote Haare besonders wichtige Gen. Es gibt auf der DNA aber noch weitere Gene der Pigmentierung, die an der Farbe des Haars mitwirken. Darunter sind ASIP, OCA2 und IRF4. Gemeinsam können diese genetischen Unterschiede viele verschiedene Haarfarben hervorbringen, von hellem Rotblond über Kupfer bis hin zu Rotbraun.
Wie funktioniert die Vererbung roter Haare?
Dunkelhaarige Eltern können eine MC1R-Variante tragen, die mit roten Haaren verbunden ist, ohne selbst rothaarig zu sein. Erbt ein Kind die für rotes Haar relevanten Genvarianten von beiden Elternteilen, steigt die Wahrscheinlichkeit für rote Haare.
Bei dieser vereinfachten Anschauung wird rotes Haar rezessiv vererbt und kann anhand der Mendelschen Regeln erklärt werden. Die Vererbung folgt in der Realität jedoch keinem einfachen dominant-rezessiven Muster, denn verschiedene MC1R-Varianten wirken unterschiedlich stark. Hinzu kommen weitere Pigmentierungsgene, die den endgültigen Farbton beeinflussen.
Selbst Menschen mit zwei MC1R-Varianten, die mit roter Haarfarbe verbunden sind, haben nicht immer eindeutig rote Haare. Je nach Kombination und Einfluss weiterer Gene kann ihr Haar beispielsweise rotblond, blond oder hellbraun erscheinen.
Haben rothaarige Menschen überall rote Haare?
Nicht unbedingt, denn das Kopfhaar, der Bart, die Augenbrauen und andere Körperhaare können unterschiedliche Farbtöne haben. Auch Scham- und Achselhaare können heller, dunkler oder rötlicher sein als das Haar auf dem Kopf.
Diese Unterschiede entstehen, weil einzelne Haarfollikel verschiedene Mengen und Arten von Melanin produzieren können. Obwohl im gesamten Körper dieselben genetischen Informationen vorhanden sind, werden die an der Pigmentierung beteiligten Gene in unterschiedlichen Haarfollikeln und Körperbereichen verschieden reguliert.
Werden rote Haare im Alter grau?
Rote Haare verlieren mit zunehmendem Alter ebenso Pigmente wie das Haar anderer Haarfarben. Diese Veränderung kann jedoch anders aussehen als das typische Ergrauen dunkler Haare.
Wenn die pigmentbildenden Zellen und ihre Vorläufer im Haarfollikel ihre Funktion verlieren, enthält das neu wachsende Haar immer weniger Melanin. Die Veränderung wird sichtbar, sobald dieses Haar nachwächst. Naturrote Haare können dadurch zunächst blasser und weniger leuchtend aussehen, bevor einzelne Haare grau oder weiß werden.
Verschiedene Haartypen können ihre Pigmentierung unterschiedlich schnell verlieren. So kann der Bart bereits grau werden, während das Kopfhaar noch weitgehend seine ursprüngliche Farbe behält. Wann ein Mensch ergraut, ist individuell unterschiedlich.
Gehen Erbanlagen für rote Haare mit heller Haut und Sommersprossen einher?
Bestimmte Genvarianten von MC1R beeinflussen nicht nur die Haarfarbe, sondern auch die Pigmentierung der Haut. Menschen mit natürlichen roten Haaren haben deshalb häufig helle Haut, Sommersprossen und bräunen bei Sonneneinstrahlung kaum. Diese Merkmale treten jedoch nicht bei jeder rothaarigen Person gleich stark auf.
Bekommen Menschen mit roten Haaren häufiger Sonnenbrand?
Eumelanin schützt die Haut besser vor Schäden durch UV-Strahlung als Phäomelanin. Menschen mit roten Haaren und heller Haut sind daher empfindlicher gegenüber der Sonne, bekommen häufig schneller Sonnenbrände und haben ein erhöhtes Risiko für UV-bedingte Hautschäden.
Bestimmte MC1R-Varianten werden außerdem mit einem erhöhten Melanomrisiko in Verbindung gebracht. Das bedeutet jedoch nicht, dass jede rothaarige Person an Hautkrebs erkrankt. Ein konsequenter Sonnenschutz ist unabhängig von der Haarfarbe wichtig.
Brauchen rothaarige Menschen andere Narkosemittel?
Einzelne Studien untersuchten, ob rote Haare beziehungsweise bestimmte MC1R-Varianten mit Unterschieden beim Schmerzempfinden oder bei der Wirkung bestimmter Betäubungs- und Narkosemittel zusammenhängen könnten. 2004 erschien eine Studie aus den USA, die mit dem Scherzmittel Desfluran durchgeführt wurde. Sie zeigte, dass rothaarige Frauen knapp 20 Prozent mehr davon benötigten, bis sie nicht mehr auf Schmerzreize reagierten.
Die bisherigen Forschungsergebnisse sind jedoch uneinheitlich. Aus der Haarfarbe allein lässt sich deshalb nicht ableiten, wie eine Person auf Schmerzen oder eine Narkose reagiert.
Was verraten rote Haare über die Genetik?
Rote Haare zeigen anschaulich, wie mehrere Gene gemeinsam ein sichtbares Merkmal beeinflussen. Das MC1R-Gen hat dabei den stärksten bekannten Einfluss. Wie eine einfache Haarfarbe aussieht, beruht aber auf einer komplexen Kombination genetischer Faktoren, die sich auch auf das Erscheinungsbild der Haut auswirken können.
Der Longevity-&-Beauty-Test gibt Ihnen Einblicke in ausgewählte genetische Veranlagungen rund um Haut, Haare und gesundes Altern. Dazu erhalten Sie persönliche Empfehlungen, die Sie bei der Gestaltung Ihrer Pflege und Ihres Lebensstils unterstützen können.