Gender-Sleep-Gap: Schlafen Frauen anders als Männer?

Eine Frau liegt neben ihrem Partner wach im Bett. SInnbild für die Gender Sleep Gap.
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Veröffentlicht: 29/10/2026
Zuletzt aktualisiert: 29/10/2026

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Frauen berichten häufiger als Männer darüber, dass sie schlecht schlafen. Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern zeigen sich nicht nur hinsichtlich der Schlafdauer, sondern auch bei der Schlafqualität und im Tagesrhythmus.

Hier erfahren Sie, welche Unterschiede beim Schlaf von Frauen und Männern beobachtet werden, welche Rolle Gene und Lebensstil spielen und was zu einem erholsameren Schlaf beitragen kann.

Was ist das Wichtigste zu Frauen und Schlaf?

  • Für Frauen und Männer gilt die gleiche Schlafempfehlung von 7 bis 9 Stunden pro Nacht. Der persönliche Schlafbedarf bleibt jedoch individuell.
  • Viele Frauen berichten häufig von Schlaflosigkeit und einem schlechten Schlaf. Dabei können hormonelle Veränderungen, eine Schwangerschaft, die Wechseljahre, die Gesundheit und nächtliche Betreuungsaufgaben eine Rolle spielen.
  • Die Schlafdauer allein sagt wenig über die Erholung aus. Auch, wie regelmäßig und gut jemand schläft, ob der Schlaf unterbrochen wird und wie man sich tagsüber fühlt, sind wichtige Indikatoren.

Was bedeutet der Begriff „Gender-Sleep-Gap“?

Der Begriff fasst Unterschiede zusammen, die sowohl mit dem biologischen Geschlecht als auch mit gesellschaftlichen Rollen und Lebensbedingungen zusammenhängen können. Während etwa hormonelle Veränderungen zu den biologischen Faktoren gehören, spiegelt die Verteilung von Care-Arbeit wie Betreuung und Pflege eher soziale Strukturen wider.

Diese Faktoren können einen Einfluss darauf haben, wie gut Menschen schlafen oder ob sie Schlafprobleme entwickeln. Wie groß diese Unterschiede ausfallen, kann vom Alter, dem Gesundheitszustand, dem Lebensstil und dem jeweils untersuchten Aspekt des Schlafs abhängen.

Wie tragen biologische Faktoren zum Gender-Sleep-Gap bei?

Der Schlaf kann durch Hormone, die Lebensphase und weitere körperliche Faktoren beeinflusst werden. Wie stark diese Faktoren den Schlaf beeinflussen, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch und kann sich im Laufe des Lebens verändern.

Die Schwankungen von Östrogen und Progesteron im Menstruationszyklus können den Schlaf von Frauen beeinflussen. Eine kleine Studie mit 10 gesunden Frauen beobachtete in der späten Phase vor der Menstruation eine um 3,3 Prozent geringere Schlafeffizienz sowie mehr nächtliche Wachphasen. Aufgrund der kleinen Teilnehmerzahl lassen sich die Ergebnisse jedoch nicht auf alle Frauen übertragen. Sie zeigen lediglich, dass sich der Schlaf bei einigen Frauen im Verlauf des Zyklus verändern kann.

Auch eine Schwangerschaft kann den Schlaf durch Beschwerden, einen häufigen Harndrang oder die Bewegungen des Babys stören. Während der Perimenopause und der Menopause können Hitzewallungen und Schwitzen das Schlafen erschweren. Männer können ebenfalls hormonelle Veränderungen im Leben erleben, etwa beim Testosteron.

Genetische Faktoren können teilweise mitbeeinflussen, wie lange, wie gut und wann jemand normalerweise schläft. Wie stark einzelne Einflüsse auf das Schlafbedürfnis sind, kann sich nach Alter, Geschlecht und Lebensumständen unterscheiden.

Eine Übersichtsarbeit zu Zwillingsstudien schätzte, dass genetische Faktoren etwa 46 Prozent der Unterschiede in der Schlafdauer und 44 Prozent der Unterschiede in der Schlafqualität zwischen Menschen erklären. Dabei ist zu beachten, dass diese Werte Unterschiede innerhalb der untersuchten Gruppen beschreiben und nicht allgemeingültig sind.

Gene stehen außerdem mit dem Tagesrhythmus und dem Chronotyp in Verbindung. Der Chronotyp beschreibt den Schlaftyp, also ob eine Person von Natur aus eher früh oder spät einschläft und aufwacht. In einer großen Studie mit Hunderttausenden Teilnehmenden identifizierten Wissenschaftler 351 Bereiche der DNA, die mit dem Chronotyp „Morgenmensch“ in Verbindung standen. Menschen mit einer größeren Anzahl entsprechender genetischer Varianten neigten dazu, früher einzuschlafen und aufzuwachen.

Die meisten häufigen Genvarianten haben jeweils nur einen kleinen Einfluss auf das Schlafverhalten. Bestimmte seltene Veränderungen in einzelnen „Uhrgenen“ können den Schlafrhythmus jedoch stärker verschieben. Genvarianten in den Genen PER3 und CRY1 beispielsweise werden deshalb in der Forschung genauer untersucht.

Wie wirken sich die körperliche und mentale Gesundheit auf den Schlaf aus?

Erkrankungen können jeden betreffen. Es gibt jedoch einige Probleme, die geschlechtsspezifisch häufiger auftreten oder unterschiedlich wahrgenommen und diagnostiziert werden.

  • Schlaflosigkeit: Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Frauen häufiger als Männer unter Schlaflosigkeit und einem schlechteren Schlaf leiden. Sie berichten von häufigem Aufwachen und dem Gefühl, nach dem Schlafen nicht erholt zu sein.
  • Schlafstörungen: Die obstruktive Schlafapnoe wird bei Männern häufiger diagnostiziert. Bei Frauen können sich die Symptome teilweise anders zeigen und werden deshalb leichter übersehen oder später erkannt.
  • Stress und psychische Gesundheit: Stress, anhaltende Sorgen, Angsterkrankungen und Depressionen können den Schlaf bei allen Geschlechtern beeinträchtigen.
  • Schmerzen und andere Gesundheitsprobleme: Chronische Schmerzen und weitere gesundheitliche Beschwerden können den Schlaf bei allen Menschen stören.

Wie können der Alltag oder der Lebensstil zu weniger Schlaf führen?

Die Schlafbedürfnisse können auch unter den Anforderungen und Abläufen des Alltags leiden. Dabei spielen Betreuungs- und Organisationsaufgaben sowie Tagesabläufe eine Rolle. Die Erfahrungen können sich zwischen Frauen und Männern unterscheiden.

  • Kinderbetreuung und Pflege: In vielen Haushalten übernehmen Frauen mehr Verantwortung für die Betreuung von Kindern oder die Pflege anderer Menschen. Insbesondere in der Nacht kann das zu einem häufigeren Aufwachen oder einer kürzeren Schlafzeit führen.
  • Arbeit und Schichtpläne: Frauen und Männer können anspruchsvolle oder unregelmäßige Arbeitszeiten haben, etwa bei Nachtschichten. Die Art und der Zeitpunkt der Arbeit beeinflussen, wann und wie lange sie schlafen.
  • Tagesablauf: Familiäre Verpflichtungen, berufliche Anforderungen und soziale Aktivitäten können die Schlafzeit und -qualität beeinflussen. Dabei können die Auswirkungen bei Frauen und Männern unterschiedlich ausfallen. Insbesondere die Organisation von Haushalts- und Familienaktivitäten liegt häufig bei den Frauen. Diese Verantwortung wird als „Mental Load“ bezeichnet.

Wie viel Schlaf brauchen Frauen?

Fachleute empfehlen gesunden Erwachsenen bis 64 Jahren sieben bis neun Stunden Schlaf pro Nacht. Für Menschen ab 65 Jahren nennt die National Sleep Foundation sieben bis acht Stunden als Referenzbereich. Die Empfehlungen gelten gleichermaßen für Frauen und Männer.

Frauen schlafen im Durchschnitt möglicherweise etwas länger. Eine Studie mit 340 gemischtgeschlechtlichen Paaren ergab, dass Frauen am Wochenende durchschnittlich etwa 16 Minuten länger im Bett verbrachten. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass Frauen grundsätzlich mehr Schlaf benötigen als Männer. Eine umfassende Auswertung von 133 Metaanalysen stützt weiterhin dieselben altersbezogenen Empfehlungen für beide Geschlechter.

Warum berichten Frauen von schlechterem Schlaf, obwohl sie länger schlafen?

Die Schlafdauer ist nur ein Teil von gesundem Schlaf. Ebenso zählt die Schlafqualität. Acht Stunden im Bett können wenig erholsam sein, wenn das Einschlafen lange dauert oder der Schlaf nachts häufig unterbrochen wird. Ein solcher unruhiger Schlaf kann dazu führen, dass eine Frau trotz einer langen Nacht müde aufwacht.

Die Gründe für Schlafprobleme oder Schlafmangel können dabei unterschiedlich sein. Bei vielen Frauen beginnt das Gedankenkarussell vor dem Einschlafen. Das kann beispielsweise mit dem „Mental Load“ und Organisationsaufgaben zusammenhängen. Andere Frauen werden öfter durch einen Partner geweckt.

Verändert sich der Schlaf mit oder ohne Partner?

Ob Menschen allein oder gemeinsam besser schlafen, ist individuell. Der Effekt hängt möglicherweise vom Partner und den nächtlichen Ereignissen ab. Eine Studie mit jungen Paaren brachte das gemeinsame Schlafen mit etwa zehn Prozent mehr REM-Schlaf, weniger fragmentiertem REM-Schlaf sowie mehr Beinbewegungen in Verbindung. REM steht für „Rapid Eye Movement“ und bezeichnet die Traumschlafphase mit schnellen Augenbewegungen. Die Ergebnisse lassen sich aufgrund der untersuchten Gruppe nicht auf alle Paare übertragen.

Eine weitere kleine Studie untersuchte gezielt Frauen mit schnarchenden männlichen Partnern. In dieser besonderen Gruppe war das alleinige Schlafen mit weniger Aufwachen und weniger Leichtschlaf verbunden.

Wie können Sie leichter durchschlafen?

Natürlich bestimmt nicht allein das Geschlecht, wie jemand schläft oder welche Tipps am besten helfen. Achten Sie am besten darauf, was Ihren Schlaf beeinflusst und wie Sie Schlafproblemen individuell vorbeugen können. Diese Tipps können Ihnen dabei helfen:

  • Sieben bis neun Stunden Schlaf einplanen: Achten Sie nicht nur auf die Stunden, die Sie im Bett verbringen, sondern auch darauf, wie wach und ausgeruht Sie sich tagsüber fühlen.
  • Einen regelmäßigen Schlafrhythmus einhalten: Versuchen Sie, Ihre Aufstehzeit möglichst aufrechtzuerhalten und große Verschiebungen Ihrer Schlafzeiten am Wochenende zu vermeiden.
  • Schaffen Sie eine ruhige Umgebung: Planen Sie vor dem Schlafengehen eine Ruhezeit ein. Weniger helles Licht am Abend unterstützt die natürliche Ausschüttung von Melatonin und hilft dem Körper, sich auf den Schlaf vorzubereiten.
  • Menstruationssymptome beobachten: Notieren Sie über zwei oder drei Zyklen Ihre Symptome, Schlafenszeiten, nächtlichen Wachphasen und wie ausgeruht Sie sich fühlen. So können Sie mögliche wiederkehrende Zusammenhänge erkennen und diese bei Bedarf ärztlich ansprechen.
  • Nächtliche Störungen angehen: Schnarcht Ihr Partner laut oder hat Atemaussetzer, ermutigen Sie ihn zu einer ärztlichen Untersuchung. Teilen Sie eine nächtliche Betreuung von Kindern oder Angehörigen nach Möglichkeit auf.
  • Bei anhaltenden Problemen ärztlichen Rat einholen: Sprechen Sie mit einer medizinischen Fachkraft, wenn Sie länger unter Schlaflosigkeit, häufigem Aufwachen oder starker Tagesmüdigkeit leiden.
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