Weisheitszähne und Genetik: Warum fehlen sie manchen Menschen?
Veröffentlicht: 28/09/2026
Zuletzt aktualisiert: 28/09/2026
Weisheitszähne brechen meistens im späten Jugendalter oder bei jungen Erwachsenen durch, doch nicht bei allen Menschen: Bei einigen wachsen alle vier Weisheitszähne, andere haben weniger oder entwickeln gar keine. Das ist unter anderem genetisch bedingt.
Hier erfahren Sie, welche genetischen Faktoren die Entwicklung der Weisheitszähne beeinflussen können. Wir klären außerdem, weshalb manche Menschen keine haben, warum sie Probleme verursachen können und wann Sie eine Zahnärztin oder einen Zahnarzt aufsuchen sollten.
Was ist das Wichtigste zu Weisheitszähnen und Genetik?
- Genetische Faktoren tragen dazu bei, ob und wie viele Weisheitszähne ein Mensch entwickelt. Dabei sind mehrere Gene beteiligt.
- Sie gelten als Überbleibsel aus einer früheren Phase der menschlichen Entwicklung, in der ein größeres Gebiss beim Zerkleinern der Nahrung hilfreich war.
- Gesunde Weisheitszähne dürfen häufig bleiben. Eine Entfernung ist nicht automatisch nötig, wenn die Zähne gesund sind, genügend Platz haben und sich gut reinigen lassen. Sie können aber auch Probleme verursachen.
Was ist ein Weisheitszahn?
Weisheitszähne sind die dritten Backenzähne ganz hinten im Gebiss. Sie können im Oberkiefer und im Unterkiefer entstehen. Ein Mensch kann bis zu vier Weisheitszähne haben. Dabei wächst jeweils einer am Ende jeder Zahnreihe. Manche entwickeln auch weniger oder keine.
Der Name „Weisheitszahn“ bezieht sich auf den vergleichsweise späten Zeitpunkt des Durchbruchs. Sie werden auch als dritte Molaren oder Achter bezeichnet. Voll entwickelt sind Weisheitszähne häufig erst zwischen dem 18. und 24. Lebensjahr. Wenn sie durchbrechen, geschieht dies meist ebenfalls in diesem Zeitraum. Bei manchen Menschen passiert dies jedoch auch früher oder später.
Ein Weisheitszahn kann gerade wachsen und sich problemlos in die Zahnreihe einfügen. In anderen Fällen bleibt er unter dem Zahnfleisch oder im Kieferknochen, bricht nur teilweise durch oder wächst schief. Dadurch können Beschwerden entstehen.
Welche Funktion haben Weisheitszähne?
Die besonderen Zähne stammen noch aus einer früheren Phase der menschlichen Entwicklung. Unsere Vorfahren hatten größere Kiefer und aßen zähere, weniger verarbeitete Nahrung. Zusätzliche Backenzähne dürften ihnen beim Kauen geholfen haben.
Heute ist im Kiefer häufig nicht genügend Platz für die Weisheitszähne. Dann können sie nur teilweise, schief oder gar nicht durchbrechen. Wenn sie gesund und gerade wachsen, helfen sie jedoch weiterhin beim Kauen.
Warum haben manche Menschen keine Weisheitszähne?
Bei manchen Menschen bilden sich die Zahnkeime der Weisheitszähne gar nicht. Fachleute sprechen dann von einer Zahnagenesie. Betrifft sie einen oder mehrere Weisheitszähne, handelt es sich um eine Agenesie der dritten Molaren.
Ein impaktierter Weisheitszahn hat sich dagegen zwar entwickelt, kann aber nicht normal durchbrechen oder verbleibt unter dem Zahnfleisch beziehungsweise im Kieferknochen. Er kann mithilfe eines Röntgenbilds sichtbar werden.
Die Gene können mitbeeinflussen, ob Menschen weniger oder gar keine Weisheitszähne entwickeln. An der Zahnentwicklung wirken mehrere Gene und biologische Prozesse mit.
Bestimmte medizinische Behandlungen während der Kindheit können die Entwicklung bleibender Zähne beeinträchtigen, etwa eine Chemotherapie oder Bestrahlung. Ob sie speziell dazu führen, dass sich keine Weisheitszähne bilden, ist jedoch nicht ausreichend geklärt.
Wie stark beeinflussen Gene die Entwicklung der Weisheitszähne?
Gene, also bestimmte Abschnitte auf der DNA, enthalten Bauanleitungen für Proteine, die an der Bildung der Zähne und des umgebenden Gewebes beteiligt sind. Genetische Veränderungen können deshalb beeinflussen, ob bestimmte Zähne sich bilden oder nicht.
Untersuchungen an Zwillingen weisen darauf hin, dass die Genetik einen großen Einfluss darauf hat. Dabei können auch familiäre Muster eine Rolle spielen: Fehlen Weisheitszähne bei mehreren nahen Verwandten, könnten vererbte Muster beteiligt sein. Aus der Familiengeschichte lässt sich dennoch nicht zuverlässig ableiten, ob und wie viele Weisheitszähne eine Person entwickeln wird.
An der Entwicklung des Gebisses wirken mehrere Gene mit, darunter PAX9, MSX1, WNT10A und AXIN2. Bestimmte Varianten dieser Gene werden mit Zahnagenesien in Verbindung gebracht, also mit dem entwicklungsbedingten Fehlen eines oder mehrerer Zähne. Welche Bedeutung einzelne Varianten speziell für fehlende dritte Backenzähne haben, wird weiterhin untersucht.
Die genetischen Ursachen fehlender Weisheitszähne sind jedoch noch nicht vollständig geklärt. Verschiedene Gene und Signalwege wirken bei der Zahnentwicklung zusammen.
Warum werden Weisheitszähne entfernt?
Gesunde und beschwerdefreie Weisheitszähne werden bei zahnärztlichen Kontrollterminen überprüft, müssen aber nicht zwangsläufig entfernt werden. Ob die Weisheitszähne gezogen werden sollten, hängt davon ab, ob bereits Probleme bestehen oder mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten sind. Dabei können Schmerzen, Schwellungen, Entzündungen oder Infektionen entstehen:
- Retention: Ein Weisheitszahn kann vollständig im Kieferknochen oder unter dem Zahnfleisch verbleiben, ohne in die Mundhöhle durchzubrechen. In einigen Fällen kann er benachbarte Zähne schädigen oder mit der Bildung einer Zyste verbunden sein.
- Teilretention: Die Zähne kommen nur teilweise aus dem Zahnfleisch. Einige impaktierte Weisheitszähne bleiben dabei beschwerdefrei. Wenn die Lage der Weisheitszähne es jedoch erschwert, sie richtig zu reinigen, können sich dort Speisereste sowie Bakterien ansammeln und Entzündungen verursachen.
- Verlagerung: Ein verlagerter Weisheitszahn liegt außerhalb seiner normalen Position oder Ausrichtung im Kiefer, beispielsweise schief. Je nach Lage kann er benachbarte Zähne beeinträchtigen oder ihre Behandlung erschweren.
Die Entfernung erfolgt je nach Lage und Schwierigkeitsgrad in einer zahnärztlichen, oralchirurgischen oder kieferchirurgischen Praxis. Der Eingriff ist meist ambulant und wird in der Regel unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Er kann mit Nebenwirkungen oder Komplikationen verbunden sein. Dabei können mehrere Weisheitszähne mit einem Eingriff oder in getrennten Terminen entfernt werden. Welche Vorgehensweise geeignet ist, entscheidet die behandelnde Fachperson gemeinsam mit der Patientin oder dem Patienten.
Wann sollten Weisheitszähne zahnärztlich abgeklärt werden?
Lassen Sie sich ärztlich beraten, wenn Sie Beschwerden und Symptome im Kiefer wahrnehmen. Eine Röntgenaufnahme kann in der Regel anzeigen, wie die Weisheitszähne im Kiefer liegen. Dabei lassen sich ihre Wurzeln, ihre Position und ihre Auswirkungen auf benachbarte Zähne sowie weitere Strukturen beurteilen. Eine Entfernung von Weisheitszähnen kann infrage kommen, wenn:
- sie wiederholt Schmerzen, Schwellungen oder EntzĂĽndungen verursachen
- zu einer Infektion des umliegenden Gewebes fĂĽhren
- sie Schäden am Nachbarzahn verursachen
- ihre Lage voraussichtlich Probleme verursacht
- Karies am Weisheitszahn auftritt und sich nicht sinnvoll behandeln lässt
Sollten Sie sich dazu entscheiden, die Weisheitszähne nicht entfernen zu lassen, ist es dennoch ratsam, regelmäßig die Kontrolltermine beim Zahnarzt wahrzunehmen. Achten Sie außerdem auf eine gründliche Mundhygiene und reinigen Sie besonders die hinteren Backenzähne und andere schwer zugängliche Stellen sorgfältig.
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