Ständig kalt: Liegen Frieren und das Kältegefühl in den Genen?

Zwei Frauen wärmen sich mit Decken und Tee, weil ihnen ständig kalt ist.
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Veröffentlicht: 05/10/2026
Zuletzt aktualisiert: 05/10/2026

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Manche Menschen frieren deutlich schneller als andere. Sie greifen zur Decke, ziehen sich eine Jacke über oder drehen die Heizung höher, während andere sich im T-Shirt wohlfühlen. Wenn jemandem ständig kalt ist, kann das verschiedene Gründe haben. Neben genetischen Unterschieden können auch körperliche Veränderungen oder Erkrankungen die Ursache sein.

Hier lesen Sie, wie das Kältegefühl im Körper entsteht und weshalb Menschen dieselbe Temperatur unterschiedlich wahrnehmen.

Was ist das Wichtigste zur Kälteempfindlichkeit?

  • Das Kälteempfinden unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Dabei spielen die Körperzusammensetzung, die Durchblutung, die Wärmeerzeugung, das Alter und genetische Unterschiede eine Rolle.
  • Gene können die Reaktion auf Kälte mitbeeinflussen, erklären sie aber nicht allein. Untersucht werden unter anderem genetische Unterschiede bei der Temperaturwahrnehmung, der Durchblutung und der Wärmeproduktion.
  • Ständiges Frieren kann ein Warnsignal sein. Tritt die Kälteempfindlichkeit neu auf oder kommen Müdigkeit, Gewichtsverlust, Taubheitsgefühle oder auffällige Farbveränderungen an Fingern und Zehen hinzu, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll. Mögliche Ursachen sind etwa eine Schilddrüsenunterfunktion, Anämie oder Durchblutungsstörungen.

Wie reagiert der Körper auf Kälte?

Wenn die Haut einen Temperaturabfall wahrnimmt, senden spezielle Nervenenden Signale an das Gehirn. Daraufhin koordiniert der Hypothalamus verschiedene Reaktionen, um Wärme zu speichern und die Kerntemperatur von 37°C aufrechtzuerhalten. Zu ihnen gehören:

  • Verengte Gefäße: Die Blutgefäße nahe der Haut verengen sich. Dadurch gelangt weniger Blut an die Körperoberfläche und der Körper verliert weniger Wärme. Hände und Füße werden dabei häufig besonders schnell kalt, weil weniger warmes Blut die Extremitäten erreicht.
  • Zittern: Wenn wir frösteln, zittern die Muskeln oft, um Wärme zu produzieren. Verschiedene Prozesse des Stoffwechsels und das Gewebe können den Körper zusätzlich aufwärmen, auch ohne Zittern.

Weil jemandem kalt ist, bedeutet das nicht, dass die Körpertemperatur zu niedrig ist. Das subjektive Kältegefühl hängt unter anderem von der Hauttemperatur, der Durchblutung und der Verarbeitung von Temperatursignalen im Nervensystem ab.

Warum ist mir ständig kalt, während andere nicht frieren?

Zwei Menschen können sich bei derselben Temperatur aufhalten und die Kälte trotzdem unterschiedlich wahrnehmen. Dabei beeinflussen mehrere Faktoren, wie viel Wärme der Körper produziert, wie schnell er auskühlt und wie stark das Kältegefühl ausfällt:

  • Körperzusammensetzung: Muskeln erzeugen Wärme, während das Fett unter der Haut isoliert. Unterschiede beim Muskel- und Fettanteil können daher beeinflussen, wie viel Wärme der Körper erzeugt und wie schnell er sie verliert.
  • Stoffwechsel: Auch im Ruhezustand erzeugen Stoffwechselprozesse Wärme. Die individuelle Stoffwechselrate beeinflusst, wie viel.
  • Alter: Mit zunehmendem Alter können sich die Muskelmasse, die Reaktion der Blutgefäße und das Temperaturempfinden verändern. Einige ältere Menschen können ihre Körperwärme dadurch schlechter aufrechterhalten.
  • Bewegung: Körperliche Aktivität bringt den Kreislauf in Schwung. Wer still sitzt, kann deshalb in derselben Umgebung schneller frieren als eine aktive Person.
  • Genetik: Genetische Unterschiede können die Wärmeproduktion, die Durchblutung und die Wahrnehmung von Temperaturen mitbestimmen. Das könnte teilweise erklären, weshalb einige Menschen besonders kälteempfindlich sind.

Wie beeinflussen Gene das Kälteempfinden?

Gene können an der Wahrnehmung von Kälte, der Durchblutung und der körpereigenen Wärmeerzeugung mitwirken. Einzelne Genvarianten erklären das persönliche Kältegefühl jedoch nicht allein. Auch die Körperzusammensetzung, das Alter, der Gesundheitszustand und die Umwelt spielen eine Rolle.

Eine Studie mit 894 weiblichen Zwillingspaaren untersuchte ihre Neigung zu kalten Händen und kalten Füßen. Innerhalb dieser Studiengruppe schätzten die Forschenden, dass genetische Faktoren etwa 64 Prozent der Unterschiede bei diesem Merkmal erklärten. Das Ergebnis bezieht sich jedoch auf kalte Hände und Füße und lässt sich nicht direkt auf die allgemeine Kälteempfindlichkeit übertragen.

Das Gen ACTN3 wurde unter anderem im Zusammenhang mit der Wärmeproduktion der Muskeln bei Kälte untersucht. Es enthält die Bauanleitung für das Protein Alpha-Actinin-3, das hauptsächlich in schnell zuckenden Muskelfasern vorkommt.

Menschen besitzen zwei Kopien dieses Gens und können daher zwei R-Varianten, eine R- und eine X-Variante oder zwei X-Varianten tragen. Bei Personen mit zwei X-Varianten, dem sogenannten XX-Genotyp, bildet die Muskulatur kein funktionsfähiges Alpha-Actinin-3.

In einer Studie konnten Teilnehmende mit diesem Genotyp ihre Körperkerntemperatur beim Eintauchen in kaltes Wasser besser aufrechterhalten als Personen mit mindestens einer R-Variante. Sie zitterten außerdem weniger und zeigten stattdessen eine stärkere, niedrigintensive Muskelaktivität.

Die Forschenden vermuteten, dass diese Form der Muskelaktivität zur Aufrechterhaltung der Körpertemperatur beigetragen haben könnte. Ob sich das Ergebnis auf andere Formen der Kälteeinwirkung oder auf die allgemeine Kälteempfindlichkeit übertragen lässt, ist noch nicht geklärt.

Das TRPM8-Gen enthält die Bauanleitung für einen temperaturempfindlichen Kanal in den sensorischen Nervenzellen. Dieser Kanal hilft dabei, kühle und kalte Temperaturen wahrzunehmen.

Studien am Menschen haben Varianten im oder in der Nähe des TRPM8-Gens mit Unterschieden bei bestimmten Reaktionen auf Kältereize in Verbindung gebracht. Dazu gehört auch die Wahrnehmung kältebedingter Schmerzen. Welche Bedeutung diese Varianten für das alltägliche Kältegefühl haben, ist noch nicht abschließend geklärt.

Genetische Unterschiede werden nicht nur auf der Ebene einzelner Personen untersucht. Forschende beschäftigen sich auch mit der Frage, wie sich Bevölkerungsgruppen über viele Generationen an sehr kalte Lebensräume angepasst haben könnten.

Die Inuit sind ein Beispiel für die Anpassung des Menschen an extrem kalte Lebensräume. Studien beschreiben bei bestimmten arktischen Bevölkerungsgruppen Unterschiede in körperlichen Reaktionen auf Kälte, etwa bei der Durchblutung der Hände und Füße. Die Ergebnisse lassen sich jedoch nicht pauschal auf alle Inuit oder andere Menschen in arktischen Regionen übertragen.

Genetische Untersuchungen haben außerdem Varianten in mehreren Genen identifiziert, die möglicherweise durch die natürliche Selektion in arktischen Bevölkerungsgruppen geprägt wurden.

Die Anpassung an extrem kalte Bedingungen beruht jedoch nicht nur auf genetischen Faktoren. Hinzu kommen kulturelle und verhaltensbezogene Anpassungen wie geeignete Kleidung, schützende Unterkünfte und Ernährungsgewohnheiten. Wie Menschen auf Kälte reagieren, hängt somit vom Zusammenspiel aus Genetik, körperlichen Vorgängen, Umwelt und Verhalten ab.

Frieren Frauen schneller als Männer?

Frauen berichten im Durchschnitt häufiger von einem stärkeren Kältegefühl als Männer. Eine systematische Auswertung ergab, dass Frauen in kalten Umgebungen niedrigere Hauttemperaturen und ein stärkeres subjektives Kälteempfinden zeigten.

Ein Teil dieser Unterschiede könnte mit der durchschnittlichen Körpergröße, der Körperoberfläche, der Muskelmasse und der Körperzusammensetzung zusammenhängen. Auch Veränderungen der Hormone während des Menstruationszyklus, einer Schwangerschaft oder der Wechseljahre können die Temperaturregulation beeinflussen. Frauen frieren also nicht pauschal schneller als Männer.

Warum kann sich die Temperaturregulation im Alter verändern?

Mit zunehmendem Alter kann sich die Reaktion auf Kälte verändern. Normalerweise verengen sich die Blutgefäße in der Haut bei niedrigen Temperaturen, damit weniger Wärme verloren geht. Diese Reaktion kann im Alter nachlassen.

Gleichzeitig kann sich die Temperaturempfindlichkeit verringern, besonders an den Händen und Füßen. Ein Mensch nimmt die Kälte daher möglicherweise nicht stärker wahr. Veränderungen der Haut, der Sinnesnerven und des Nervensystems können dazu beitragen.

Auch der Abbau von Muskelmasse und Veränderungen des Körperfettanteils wirken sich auf die Wärmeproduktion und die isolierende Wirkung des Körpers aus. Das Alter ist jedoch nur einer von mehreren Faktoren. Die Fitness, Körperzusammensetzung, Gesundheit und die individuelle Temperaturregulation beeinflussen ebenfalls, wie schnell jemand friert.

Frieren Menschen mit mehr Körpergewicht weniger?

Mehr Körperfett kann isolierend wirken und den Wärmeverlust verringern. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass Menschen mit Übergewicht sich wärmer fühlen oder Kälte besser vertragen als Schlanke. Vergleichsstudien an Menschen mit und ohne Übergewicht ergaben allerdings, dass die stärkere Isolierung durch Körperfett nicht zwangsläufig zu einer höheren Kältetoleranz führt. Das Kälteempfinden hängt auch von der Temperatur der Haut, der Durchblutung, der Muskelaktivität und der Wärmeproduktion ab.

Wann kann ständiges Frieren ein Warnsignal sein?

Gelegentlich zu frieren, ist normalerweise kein Grund zur Sorge. Ist Ihnen jedoch regelmäßig kalt, obwohl es warm ist, oder tritt die Veränderung neu auf, sollten Sie genauer hinschauen, denn eine anhaltende Kälteempfindlichkeit kann unter anderem mit einem niedrigen Körpergewicht, einer unzureichenden Energiezufuhr oder Durchblutungsstörungen zusammenhängen. Sie kann auch eine Schilddrüsenunterfunktion anzeigen. Schüttet die Schilddrüse nämlich zu wenige Hormone aus, verlangsamt sich der Stoffwechsel, sodass wir frieren.

Chronischer Stress kann zur Gefäßverengung beitragen. Auch bestimmte Medikamente können das Kälteempfinden oder die Durchblutung beeinflussen. Wenn ein Eisenmangel zu einer Anämie führt, kann sie unter anderem Müdigkeit, Leistungsschwäche und eine erhöhte Kälteempfindlichkeit hervorrufen. Holen Sie ärztlichen Rat ein, wenn das Kältegefühl gemeinsam mit folgenden Beschwerden auftritt:

  • unbeabsichtigter Gewichtsverlust
  • anhaltende Müdigkeit
  • Taubheitsgefühle oder Kribbeln
  • Finger oder Zehen, die wiederholt weiß oder blau werden

Was hilft im Alltag, wenn man sich dauerhaft kalt fühlt?

Regelmäßige Mahlzeiten, ausreichend Schlaf und Bewegung können dabei helfen, die körpereigene Wärmeerzeugung zu unterstützen. Essen liefert dem Körper Energie, während aktive Muskeln zusätzliche Wärme erzeugen. Mehrere dünne Kleidungsschichten halten die Wärme meist besser am Körper als eine einzelne dicke Schicht. Schlaf kann dabei helfen, die Körpertemperatur über den Tag hinweg angemessen zu regulieren.

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