Allergien vorbeugen: Welche Rolle spielen Gene und Umwelt?

Eine Frau sticht Kekse mit ihrem Kind aus. Sinnbild für die Exposition zu Allergenen, um Allergien vorzubeugen.
Avatar photo

Veröffentlicht: 05/11/2026
Zuletzt aktualisiert: 05/11/2026

Wissenschaftlich geprüft

Unsere Redaktionsrichtlinien ansehen

Inhalt

Manche Allergien beginnen bereits im Kindesalter, andere treten erst später im Leben auf. Lassen sich Allergien vorbeugen, wenn sie bereits in der Familie vorkommen?

Die Veranlagung für Allergien kann tatsächlich innerhalb einer Familie genetisch vererbt werden. Allerdings erkranken nicht alle Menschen mit einem erhöhten Allergierisiko. Hier erfahren Sie, warum und wie sich das Risiko für bestimmte Allergien senken lässt.

Was ist das Wichtigste zur Vorbeugung von Allergien?

  • Gene und Umwelt beeinflussen gemeinsam das Allergierisiko. Eine familiäre Veranlagung bedeutet jedoch nicht, dass eine Allergie zwangsläufig entsteht.
  • Allergien lassen sich nicht sicher verhindern. Die altersgerechte Einführung von gut durcherhitztem Ei und Erdnüssen im ersten Lebensjahr kann aber das Risiko einer entsprechenden Nahrungsmittelallergie senken.
  • Schwangere, Stillende und Kinder sollten allergenhaltige Lebensmittel nicht vorsorglich meiden. Bei Babys mit schwerem Ekzem oder bestehenden Allergien sollte die Einführung ärztlich begleitet werden.

Sind Allergien vererbbar?

Allergien treten häufig innerhalb einer Familie auf. Kinder können genetische Varianten von ihren Eltern erben, die ihr Risiko für allergische Erkrankungen erhöhen.

Je nach untersuchter Allergie und Bevölkerungsgruppe wird das Risiko eines Kindes bei einem betroffenen Elternteil häufig auf etwa 30 bis 50 Prozent geschätzt. Sind beide Elternteile betroffen, werden teilweise Werte von 60 bis 80 Prozent genannt.

Kinder entwickeln jedoch nicht zwangsläufig dieselben Allergien wie ihre Eltern. Ein Elternteil mit Heuschnupfen kann beispielsweise ein Kind haben, das an Ekzemen oder Asthma erkrankt. Aber selbst wenn mehrere Familienmitglieder betroffen sind, muss ein Kind keine allergische Erkrankung entwickeln.

Die Familiengeschichte kann auf ein erhöhtes Allergierisiko hinweisen. Sie erlaubt aber keine sichere Vorhersage darüber, ob oder welche Allergie bei einem Kind auftreten wird.

Wie beeinflussen Gene das Allergierisiko?

Genetische Faktoren beeinflussen, wie das Immunsystem auf Stoffe wie Pollen, Hunde- oder Katzenhaar, Hausstaubmilben oder bestimmte Lebensmittel reagiert. Bei einer Allergie stuft das Immunsystem normalerweise harmlose Stoffe als gefährlich ein und löst eine allergische Reaktion aus.

Allergien folgen meist keinem einfachen Vererbungsmuster, wie es bei einigen Erkrankungen vorkommt, die durch ein einzelnes Gen verursacht werden. Stattdessen können viele genetische Varianten gemeinsam das Allergierisiko erhöhen. Manche von ihnen beeinflussen die Immunreaktion, andere die Hautbarriere.

Das FLG-Gen liefert beispielsweise die Bauanleitung für Filaggrin. Dieses Protein trägt dazu bei, die Hautbarriere aufrechtzuerhalten, die potenziell schädliche Stoffe fernhält. Wenn das FLG-Gen aufgrund bestimmter Varianten seine Funktion verliert, kann die Barriere geschwächt sein und sich das Risiko für Neurodermitis erhöhen, die auch atopisches Ekzem genannt wird. Eine geschädigte Hautbarriere kann auch an der Entstehung einiger Nahrungsmittelallergien beteiligt sein. Dabei spielen jedoch weitere Faktoren eine Rolle.

Eine genetische Studie mit rund 360.000 Teilnehmenden identifizierte 136 genetische Risikovarianten, die mit Asthma, Heuschnupfen und Ekzemen in Verbindung stehen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese allergischen Erkrankungen viele genetische Risikofaktoren teilen.

Warum entwickeln manche Menschen Allergien und andere nicht?

Genvarianten, die mit Allergien in Verbindung stehen, führen nicht zwangsläufig auch zu einer Erkrankung. Umweltfaktoren können die Entwicklung des Immunsystems ebenfalls beeinflussen, besonders während der Schwangerschaft und frühen Kindheit.

In der Epigenetik untersuchen Forschende zudem, warum sich Allergien bei Menschen mit ähnlichen genetischen Risiken unterschiedlich entwickeln. Epigenetische Veränderungen wie die Methylierung beeinflussen die Aktivität von Genen, ohne die DNA-Sequenz selbst zu verändern. Umweltfaktoren können auf solche Prozesse einwirken. Wie genau sie zur Entstehung von Allergien beitragen, wird noch erforscht.

Welche Umwelt- und Gesundheitsfaktoren können das Allergierisiko erhöhen?

Es gibt mehrere Umweltfaktoren, die damit in Verbindung stehen, auf ein Allergen allergisch zu reagieren. Zu den wichtigsten gehören:

  • Tabakrauch: Eine Belastung während der Schwangerschaft und Kindheit schadet den Atemwegen und steht mit einem höheren Risiko für Allergien in Verbindung.
  • Luftverschmutzung: Schadstoffe können die Atemwege reizen und werden wissenschaftlich unter anderem mit Asthma und anderen Atemwegserkrankungen verbunden. Ob und in welchem Umfang sie einzelne Allergien verursachen, hängt von verschiedenen Faktoren ab.
  • Geschädigte Hautbarriere: Bei einer geschwächten Hautbarriere können Allergene leichter in die Haut eindringen und eine allergische Sensibilisierung fördern. Das betrifft besonders Kinder mit Neurodermitis.
  • Einflüsse in der frühen Kindheit: Die Ernährung und die Entwicklung des Darmmikrobioms stehen möglicherweise damit in Verbindung, wie sich das Immunsystem entwickelt und später auf potenzielle Allergene reagiert.

Wie lassen sich Allergien vorbeugen, wenn sie in der Familie vorkommen?

Zwar gibt es keine Maßnahmen, die garantieren, dass ein Kind keine Allergien entwickelt. Einige Ansätze zur Prävention können jedoch das Risiko für bestimmte Erkrankungen verringern.

Gut durcherhitztes Ei und Erdnüsse in altersgerechter Form können mit der Beikost eingeführt werden, sobald ein Säugling entwicklungsbedingt bereit dafür ist. Studien deuten darauf hin, dass die Einführung im ersten Lebensjahr, häufig zwischen dem vierten und sechsten Lebensmonat, das Risiko einer Ei- oder Erdnussallergiesenken kann. Nach der Einführung sollten die Nahrungsmittel ein regelmäßiger Bestandteil der Ernährung bleiben, sofern sie vertragen werden. Bei Babys mit schwerer Neurodermitis, einer bestehenden Eierallergie oder bereits aufgetretenen allergischen Reaktionen sollte die Einführung von Erdnüssen vorher ärztlich besprochen werden.

Schwangere, Stillende und Babys müssen Lebensmittel, die häufig Allergien auslösen, nicht allein deshalb meiden, weil Allergien in der Familie vorkommen. Es ist nicht belegt, dass der Verzicht Allergien bei Kindern zuverlässig verhindert. Zudem kann er die Versorgung mit Nährstoffen erschweren. Eine abwechslungsreiche Ernährung bleibt wichtig, sofern ein Arzt oder eine Ärztin nichts anderes empfiehlt.

Sie müssen weder Haustiere abgeben noch umfangreiche Maßnahmen gegen Hausstaubmilben ergreifen, nur weil Allergien in Ihrer Familie vorkommen. Befolgen Sie entsprechende Vorsichtsmaßnahmen, wenn eine Allergie bestätigt wurde oder eine medizinische Fachkraft dazu rät. 

Es ist jedoch empfehlenswert, die Innenräume rauchfrei zu halten und nach Möglichkeit die Belastung durch verschmutzte Luft zu reduzieren.

Welche Ansätze und Irrtümer zur Allergieprävention gibt es?

Einige Ansätze, um Allergien zu vermeiden, weisen nach ersten Forschungsergebnissen in bestimmten Fällen auf mögliche Vorteile hin. Die Beweise reichen aber nicht für eindeutige Empfehlungen aus. Zu den Strategien gehören:

  • Präbiotische Nahrungsergänzungsmittel: Es gibt keine ausreichenden Belege dafür, dass Präbiotika zur Vorbeugung von Nahrungsmittelallergien, Ekzemen oder anderen allergischen Erkrankungen empfohlen werden können.
  • Vitamin D während der Schwangerschaft: Einige Studien deuten darauf hin, dass eine Supplementierung während der Schwangerschaft das Auftreten von wiederkehrendem Giemen oder Asthma im Kindesalter beeinflussen könnte. Die Ergebnisse sind jedoch uneinheitlich und rechtfertigen keine eigenständige hochdosierte Einnahme zur Allergieprävention.
  • Stillen: Muttermilch hat zahlreiche gesundheitliche Vorteile und wird in den ersten vier bis sechs Lebensmonaten nach Möglichkeit empfohlen. Ob sie Ekzeme, Heuschnupfen oder Asthma verhindert, lässt sich anhand der bisherigen Studien jedoch nicht eindeutig beurteilen.
  • Verzicht auf allergenhaltige Lebensmittel: Es ist nicht bewiesen, dass der Verzicht auf Eier, Erdnüsse oder Milchprodukte während der Schwangerschaft oder Stillzeit Allergien bei Kindern zuverlässig verhindert. Daher wird er nicht zur Prävention empfohlen.
Diesen Artikel teilen
Empfohlene Produkte