Haarstruktur und Genetik: So werden Haartyp und -dicke genetisch beeinflusst
Veröffentlicht: 20/10/2026
Zuletzt aktualisiert: 20/10/2026
Ob glatt, wellig, lockig oder kraus – unser Haar ist einzigartig. Die natürliche Haarstruktur und Haardicke sind genetisch mitbedingt. Wie gesund oder geschädigt das Haar wirkt, hängt jedoch auch von der Pflege, dem Alter, den Hormonen und der Lebensweise ab.
Hier lesen Sie, wie Gene daran mitwirken, wie sich die Haarfollikel entwickeln und wie die darin produzierten Haarfasern entstehen. Sie erfahren außerdem, warum selbst Geschwister eine deutlich unterschiedliche Haarstruktur haben können.
Was ist das Wichtigste zu Haarstruktur und Genetik?
- Gene tragen wesentlich dazu bei, ob Haare glatt, wellig, lockig oder stark gelockt wachsen. Auch der Durchmesser einzelner Haarfasern wird von mehreren Varianten beeinflusst.
- Die Haartextur und Haardicke werden nicht von einem einzigen Gen bestimmt. Die beteiligten Varianten und ihre Bedeutung können sich zwischen Menschen und Bevölkerungsgruppen unterscheiden.
- Das Alter, Hormone, Erkrankungen und Haarbehandlungen können das Haar im Laufe des Lebens verändern. Schonende Pflege schützt die vorhandene Haarfaser, verändert aber nicht die genetische Veranlagung.
Wie ist ein Haar aufgebaut?
Der sichtbare Teil des Haares wird als Haarschaft bezeichnet. Er ragt aus der Kopfhaut heraus und besteht aus verhornten Zellen. Der nicht sichtbare Teil liegt im Haarfollikel in der Haut.

Im Follikel entstehen Zellen, die sich während der Bildung des Haarschafts mit Keratin anreichern und schließlich verhornen. Eine Haarfaser besteht hauptsächlich aus der äußeren Cuticula und dem darunterliegenden Kortex. In ihrem Inneren kann zusätzlich eine Medulla liegen, die jedoch nicht bei jedem Haar durchgehend vorhanden oder deutlich ausgeprägt ist:
- Cuticula: Die äußere Schicht besteht aus überlappenden Zellen und schützt die inneren Bereiche der Haarfaser.
- Kortex: Die Hauptschicht der Haarfaser enthält keratinreiche Zellen. Sie verleihen dem Haar einen großen Teil seiner Festigkeit und beeinflussen seine physikalischen Eigenschaften.
- Medulla: Sie bildet den innersten Bereich der Haarfaser.
Welche Texturen von Haartypen gibt es?
Die Haartypen bilden ein Spektrum und sind nicht vollständig voneinander abgegrenzt. Auch auf derselben Kopfhaut können verschiedene Haarstrukturen vorkommen. Zur weiter gefassten Haarstruktur gehören außerdem der Aufbau, der Durchmesser und weitere physikalische Eigenschaften der einzelnen Haarfasern. Die gängigsten Typen sind:

- Glattes Haar liegt relativ flach und weist kaum oder keine sichtbaren Locken auf.
- Welliges Haar bildet sanfte Kurven, häufig in einem S-förmigen Muster.
- Lockiges Haar bildet deutlichere Schleifen oder Locken.
- Krauses Haar weist sehr enge Locken oder Spiralen auf, die ein kompaktes Muster bilden. Häufig wird es den Locken zugeordnet.
Wie beeinflussen Gene die Haarstruktur und Haardicke?
Die Form der Haarfollikel und die Entwicklung der Haarfasern tragen dazu bei, wie das Haar wächst, also glatt, wellig, lockig oder kraus. Auch der Durchmesser einer einzelnen Haarfaser, also ihre Haardicke, wird genetisch mitbeeinflusst. Sie ist nicht mit der Haardichte gleichzusetzen, die beschreibt, wie viele Haare in einem bestimmten Bereich der Kopfhaut wachsen.
An diesen Eigenschaften wirken mehrere Gene mit. Varianten des Gens TCHH wurden beispielsweise mit Unterschieden in der Haartextur verbunden. Die Gene EDAR und FGFR2 wurden dagegen im Zusammenhang mit dem Durchmesser einzelner Haarfasern untersucht, vor allem bei Menschen asiatischer Herkunft. Kein einzelnes Gen legt jedoch allein fest, wie Haare aussehen. Erst das Zusammenspiel vieler genetischer Varianten trägt zur natürlichen Haartextur und Haardicke bei.
Warum können Geschwister unterschiedliche Haarstrukturen haben?
Geschwister erben jeweils eine andere Kombination genetischer Varianten von ihren Eltern. Die grundlegenden Prinzipien dieser Vererbung lassen sich mit den Mendelschen Regeln erklären. Die Haarstruktur selbst ist jedoch ein komplexes Merkmal, an dem viele Gene beteiligt sind.
So kann ein Kind feines und glattes Haar besitzen, während ein anderes Kind derselben Familie dickere, lockige Haare hat. Die Haare können sich in derselben Familie sowohl in ihrem sichtbaren Muster, den physikalischen Eigenschaften der einzelnen Haarfasern oder der Haarfarbe unterscheiden, etwa bei rotem Haar.
Was kann die Haarstruktur im Laufe des Lebens verändern?
Jedes Haar durchläuft verschiedene Wachstumsphasen. Auf eine längere aktive Wachstumsphase folgen eine Übergangs- und eine Ruhephase, bevor das Haar ausfällt und ein neues nachwächst. Auch wenn die ererbte DNA-Sequenz in den meisten Zellen weitgehend gleich bleibt, können sich Haarwachstum, Textur und Aussehen im Laufe des Lebens verändern. Dazu können folgende Faktoren beitragen:
- Alter: Mit zunehmendem Alter können einzelne Haare feiner, trockener oder brüchiger werden. Die Veränderungen unterscheiden sich jedoch je nach Person und Kopfhautbereich.
- Hormonelle Veränderungen: Sie können den Haarwachstumszyklus und die Funktion der Haarfollikel beeinflussen, beispielsweise bei Östrogenen, Schilddrüsenhormonen oder Androgenen wie Testosteron und Dihydrotestosteron (DHT). Auch das Zusammenspiel verschiedener Hormone, darunter Progesteron, wird im Zusammenhang mit Veränderungen während Schwangerschaft und Wechseljahren untersucht.
- Erkrankungen: Schilddrüsenerkrankungen, Autoimmunerkrankungen und Eisenmangel können den Haarwachstumszyklus beeinträchtigen. Dadurch können die Haare ausfallen, dünner nachwachsen oder sich sichtbar verändern.
- Medikamente: Bestimmte Medikamente, darunter Chemotherapeutika, Retinoide und Antikoagulanzien, können das Haarwachstum beeinflussen. Dadurch kann es zu stärkerem Haarausfall oder Veränderungen im Aussehen der Haare kommen.
- Haarbehandlungen: Glättungsmittel und Dauerwellen verändern die Struktur der bereits vorhandenen Haarfaser chemisch. Häufiges Hitzestyling, Blondieren und andere chemische Behandlungen können die Schuppenschicht schädigen und die Haarfaser schwächen. Das neu aus dem Haarfollikel wachsende Haar behält grundsätzlich seine natürliche, genetisch mitbestimmte Beschaffenheit.
Wie kann die Haarpflege Haar und Kopfhaut schützen?
Ob unsere Haare trocken, fettig, glänzend oder spröde wirken, hängt nicht nur von der genetischen Haarstruktur ab. Auch die Talgproduktion der Kopfhaut, die Länge der Haare, Pflegeprodukte, Styling und Schäden an der Cuticula spielen eine Rolle. Eng gelocktes Haar kann trockener wirken, weil sich der Talg schwerer über die gebogene Haarfaser verteilt.
Deshalb kann die tägliche Haarpflege die Haarfasern vor Schäden schützen und zu einer gesunden Kopfhaut beitragen. Zu den zuverlässigen Tipps für kräftiges Haar zählen:
- Ausgewogene Ernährung: Nehmen Sie ausreichend wichtige Nährstoffe wie Protein und Zink und essen Sie Lebensmittel mit Eisen. Nahrungsergänzungsmittel verbessern die Haarstruktur nicht automatisch. Sie sind vor allem dann sinnvoll, wenn tatsächlich eine Unterversorgung besteht oder sie fachlich empfohlen wurden.
- Haar schonen: Vermeiden Sie übermäßiges Bürsten, straffe Frisuren und grobes Entwirren.
- Hitze und Chemikalien vermeiden: Haarbruch und Spliss entstehen an der bereits gebildeten Haarfaser. Hitze, Reibung, Blondierungen und chemische Behandlungen können die Cuticula schädigen und das Haar anfälliger dafür machen. Verwenden Sie niedrigere Temperaturen und vermeiden Sie häufiges Blondieren, Glätten oder Dauerwellen. Ein Conditioner kann Reibung verringern und die Haaroberfläche glatter erscheinen lassen, bereits gespaltene Haarspitzen aber nicht dauerhaft reparieren.
- Kopfhaut pflegen: Halten Sie die Kopfhaut mit Shampoo sauber und lassen Sie anhaltenden Juckreiz, Schuppen oder Entzündungen fachlich abklären.
- Veränderungen beobachten: Plötzlicher Haarausfall, eine Ausdünnung oder andere ungewöhnliche Veränderungen sollten ärztlich untersucht werden.
Was kann die Genetik über die Haare aussagen?
Die genetische Veranlagung kann teilweise erklären, warum unsere Haare bestimmte Eigenschaften besitzen. Dazu gehören die natürliche Haartextur, der Durchmesser einzelner Haare und die Haarfarbe. Auch das Ergrauen der Haare und die Anfälligkeit für Haarausfall hängen mit den Genen zusammen.
Die Haareigenschaften werden allerdings auch von der Pflege und der Umwelt mitbestimmt. Genetische Unterschiede können daher nicht vollständig vorhersagen, wie Haare tatsächlich aussehen oder wie sie sich im Laufe des Lebens verändern.
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