Wie beeinflussen Gene das Gedächtnis? 

Ein Mensch mit einem Puzzleteil als Sinnbild für Gene und Gedächtnis sowie Gedächtnis-Training.
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Veröffentlicht: 27/01/2026
Zuletzt aktualisiert: 27/01/2026

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Vergessen Sie häufig Namen, verlegen Gegenstände oder haben Schwierigkeiten, sich an etwas zu erinnern, das Sie gerade gelernt haben? Ihre Gene könnten mitverantwortlich sein. Untersuchungen zeigen, dass die DNA beeinflusst, wie Erinnerungen entstehen, wie leicht Sie sich Informationen merken und welche Details Ihr Gehirn zuerst abspeichert. In diesem Artikel untersuchen wir sechs genetische Faktoren, die Ihr Gedächtnis beeinflussen können – und warum es manchmal schwieriger ist, sich an bestimmte Dinge zu erinnern.

Was ist das Wichtigste zur Verbindung von Genen und dem Gedächtnis?

Sechs genetische Faktoren beeinflussen, wie gut Sie sich Dinge merken können: von BDNF- und APOE-Genvarianten über die Effizienz der DNA-Reparatur bis zu Genen, die den Schlaf, die emotionaler Gedächtnisbildung und die Konzentration mitsteuern. Lebensstilfaktoren wie Schlaf, Bewegung und Stressmanagement können diese genetischen Veranlagungen jedoch ausgleichen.

1. Wie steuern Gene die Gedächtnisbildung im Gehirn?

Das Gehirn verändert sich ständig. Es stellt Verbindungen her und passt sie an, wenn wir neue Dinge lernen. Gene beeinflussen, wie diese Verbindungen entstehen, wie Erinnerungen gespeichert werden und wie schnell wir neue Informationen aufnehmen.

Ein bekannter Faktor dabei ist das BDNF-Gen (Brain-Derived Neurotrophic Factor). Es unterstützt die Kommunikation zwischen den Gehirnzellen. Einige Studien legen nahe, dass Menschen mit der Val/Val-Variante können sich Bilder in der Regel leichter merken und schneller lernen. Studien zeigen, dass Menschen, die mindestens ein Met66-Allel tragen, Schwierigkeiten bei der Gedächtniskonsolidierung haben können – insbesondere beim Übergang vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis während des Schlafs. Sie zeigen verstärktes Vergessen über Nacht bei episodischen Erinnerungen, während das motorische Gedächtnis weniger betroffen ist.

Auch das APOE-Gen spielt eine Rolle. Es beeinflusst, wie das Gehirn Fette nutzt, um gesunde Zellen zu schützen. Eine Variante namens APOE ε4 ist der stärkste bekannte genetische Risikofaktor für Alzheimer-Krankheit. Träger eines ε4-Allels haben ein etwa dreifach erhöhtes Risiko, Träger von zwei ε4-Allelen ein bis zu 15-fach erhöhtes Risiko. Studien zeigen, dass APOE ε4-Träger bereits ab dem 55.-60. Lebensjahr einen beschleunigten Gedächtnisabbau aufweisen können, noch bevor klinische Symptome auftreten. Solche Unterschiede führen nicht automatisch zu Vergesslichkeit, aber sie beeinflussen, wie gut das Gehirn im Laufe der Zeit Erinnerungen aufbaut und schützt.

2. DNA-Brüche und Reparatur: Ein überraschender Mechanismus der Gedächtnisbildung

Forschende haben herausgefunden, dass das Bilden von Erinnerungen die Gehirnzellen stärker belastet, als die meisten von uns erwarten würden. Wenn Nervenzellen während des Lernens aktiviert werden, verursachen sie winzige Brüche in ihrer DNA. Dieser Vorgang ist normal und notwendig für die Erinnerungsbildung. Sie helfen bestimmten Genen, sich zu aktivieren und Verbindungen zu stärken. Sobald diese Gene ihre Aufgabe erfüllt haben, wird die DNA repariert.

Studien zeigen auch, dass dieser Reparaturprozess nicht bei allen Menschen gleich abläuft. Genetische Unterschiede können dazu führen, dass die Reparaturproteine besser oder schlechter funktionieren. Zusätzlich können epigenetische Marker – also chemische Markierungen – die Genaktivität steuern und so die Reparatur beeinflussen.

Läuft der Reparaturprozess verlangsamt oder weniger präzise ab, nimmt das Gehirn neue Informationen möglicherweise weniger klar auf. Dann gehen kleine Details leichter verloren, wie ein gerade gelernter Name oder eine erwähnte Zahl. Das kann zu Problemen im Kurzzeitgedächtnis führen.

3. Wie beeinflussen Gene Ihren Schlaf und damit Ihr Gedächtnis?

Schlaf ist eine der wichtigsten Säulen für das Gedächtnis. Während der Ruhephase organisiert das Gehirn Informationen, löscht ungenutzte Verbindungen und stärkt neue. Ohne ausreichend guten Schlaf ist der Prozess unvollständig. Das erschwert das Lernen und beeinträchtigt sowohl das Kurzzeitgedächtnis als auch das Langzeitgedächtnis.

Die Genetik kann den Schlafrhythmus beeinflussen. Bestimmte Genvarianten erhöhen die Wahrscheinlichkeit von Schlaflosigkeit, unruhigen Nächten oder unregelmäßigen Zyklen. So wachen manche Menschen häufig auf oder haben Schwierigkeiten, in einen tiefen, erholsamen Schlaf zu fallen. Selbst wenn sie genug Stunden im Bett verbringen, bekommen sie vielleicht nicht den hochwertigen Schlaf, den ihr Gehirn braucht.

4. Warum könne sich manche Menschen emotionale Momente besser merken?

Nicht alle Erinnerungen werden gleich gespeichert. Einige Gene beeinflussen, wie lebhaft wir uns an emotionale Erfahrungen erinnern – verglichen mit neutralen Momenten. Zu diesen Genen gehört eine ADRA2B-Variante, die intensive Momente im Gedächtnis besonders hervorstechen lässt. Die ADRA2B-Deletion führt zu einer erhöhten Verfügbarkeit von Noradrenalin. Das verstärkt die emotionale Kräftigung. Menschen, die diese Variante tragen, erinnern sich oft klar an dramatische oder emotionale Ereignisse. Routineaufgaben oder alltägliche Details vergessen sie jedoch möglicherweise.

Sie erinnern sich vielleicht lebhaft an einen peinlichen Moment aus Ihrer Kindheit. Aber wo sie Ihre Schlüssel hingelegt haben, fällt ihnen nicht ein. Das passiert, weil sich das Gehirn auf die Emotion konzentriert. Es wendet mehr mentale Ressourcen auf, um diese zu speichern. Für gewöhnliche, weniger bedeutungsvolle Erinnerungen bleibt dann weniger Speicherkapazität übrig.

5. Wie beeinflussen genetische Faktoren die Konzentration?

Bevor eine Erinnerung entstehen kann, muss das Gehirn die Informationen vollständig aufnehmen und verarbeiten. Wird die Konzentration unterbrochen, kann sich die Erinnerung möglicherweise nie festigen. Manche Menschen erben Aufmerksamkeitsmerkmale, die es schwieriger machen, sich zu konzentrieren. Sie haben von Natur aus eine kürzere Aufmerksamkeitsspanne, bei manchen liegt auch eine genetische Veranlagung für ADHS vor. Das hat keinen Einfluss auf die Intelligenz, sondern nur darauf, wie die eingehenden Informationen verarbeitet werden.

Wenn die Gedanken abschweifen oder man leicht abgelenkt wird, sammelt das Gehirn weniger Details. Die Erinnerung wird dann nie tief genug verankert, um später abgerufen zu werden. So vergessen Menschen etwa einen Teil eines Gesprächs oder den Ort, an dem sie einen Gegenstand abgelegt haben, weil die Aufmerksamkeit in diesem Moment abgeschweift ist. Vererbte Aufmerksamkeitsmuster können also direkt beeinflussen, wie stark und zuverlässig Kurz- und Langzeitgedächtnis sind.

6. Epigenetik: Der Schalter zwischen Genen und Gedächtnis

Das Gedächtnis hängt nicht nur von den Genen ab, die Sie erben. Es wird auch von der Epigenetik beeinflusst – den chemischen „Schaltern”, die Gene ein- oder ausschalten. Diese Schalter, wie die DNA-Methylierung oder Histonmodifikationen, entscheiden darüber, ob gedächtnisbezogene Gene aktiv sind. Sie können sich im Laufe des Lebens verändern, etwa durch die Lebensweise und Umwelteinflüsse.

Auch mit zunehmendem Alter können einige dieser Schalter aus dem Gleichgewicht geraten: Dem Gehirn fällt es schwerer, neue Verbindungen zu knüpfen, zu lernen und sich Dinge zu merken. Bestimmte Proteine steuern, wie dicht die DNA gepackt ist und halten die Gedächtnisgene zugänglich. Wenn diese Proteine aufgrund von Alter, Genetik oder anderen Faktoren nicht gut funktionieren, können Gedächtnisschwund und Gedächtnisstörungen die Folge sein.

Tipps: Welche Gewohnheiten unterstützen ein besseres Gedächtnis?

Sie können Ihre DNA nicht verändern, aber trotzdem Ihr Gedächtnis verbessern. Mit einfachen Gewohnheiten, die mit genetischen Veranlagungen zusammenhängen, lässt sich das Gehirn trainieren:

  • Sorgen Sie für guten Schlaf: Wenn Sie regelmäßige Schlaf- und Wachzeiten einhalten, helfen Sie dem Gedächtnis, Informationen klar abzuspeichern.
  • Bewältigen Sie Stress: Pausen, tiefes Atmen und Hobbys helfen dabei, mentale Belastungen zu reduzieren. Stress kann vergesslich machen.
  • Bewegen Sie sich regelmäßig: Sport und leichte tägliche Bewegung verbessert die Gehirndurchblutung und versorgt es mit mehr Sauerstoff.
  • Essen Sie Lebensmittel fürs Gehirn: Omega-3-Fettsäuren, Antioxidantien und Vitamine aus Fisch, Nüssen, Blattgemüse und Beeren in der Ernährung unterstützen die Gedächtnisfunktion.
  • Trainieren Sie Ihr Gedächtnis: Übungen wie Rätsel, Lesen, neue Fähigkeiten oder Sprachen zu lernen, können die Gedächtnisleistung verbessern.
  • Nutzen Sie Wiederholungen und Visualisierungen: Wiederholen Sie Informationen oder präsentieren Sie sie in einer Geschichte oder einem Diagramm. So können Sie sich Dinge besser einprägen.
  • Bleiben Sie organisiert. Planer, Erinnerungen oder Apps reduzieren die mentale Belastung und unterstützen das Erinnerungsvermögen.

Was ist der Ausblick für die Gedächtnis-Genforschung?

Die Entdeckung von über 100 Gedächtnis-Genen eröffnet vielversprechende Möglichkeiten für die Medizin: Forscherinnen untersuchen, wie diese Gene die Gedächtnisbildung und -stabilität beeinflussen. Mit den Erkenntnissen verstehen wir besser, warum manche Menschen sich besser erinnern können als andere. Möglicherweise eröffnet die Forschung auch neue Möglichkeiten, um Erkrankungen wie Alzheimer, Demenz und Lernschwierigkeiten vorzubeugen oder zu behandeln.

Möchten Sie erfahren, welche genetischen Veranlagungen Sie für kognitive und physische Langlebigkeit haben? Mit dem Longevity & Beauty DNA-Test finden Sie etwa heraus, ob Sie möglicherweise ein höheres Risiko für einen kognitiven Abbau, graue Haare oder altersbedingte Augenerkrankungen haben.

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