6 überraschende Fakten übers Liebesleben: Gene und Sexleben

Ein paar im Bett schaut sich verliebt an. Sinnbild für Gene und Sexleben.
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Veröffentlicht: 12/02/2026
Zuletzt aktualisiert: 12/02/2026

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Warum stimmt zwischen manchen Menschen auf Anhieb die Chemie? Was führt dazu, dass wir uns anziehen und verlieben oder intim werden? Was für viele magisch klingt, lässt sich zum Teil wissenschaftlich erklären. Die Lebensweise und DNA prägen mit, welche Merkmale bei der Anziehung, dem Verlangen und in Partnerschaften eine Rolle spielen. Hier lesen Sie, wie Gene, Dating und Sexualität miteinander verbunden sind.

1. Wann ist der Zeitpunkt für den ersten Sex?

Warum manche Menschen sich früher bereit für Sex fühlen als andere, kann teilweise die Biologie erklären. Groß angelegte Studien mit Hunderttausenden von Teilnehmenden deuten darauf hin, dass bestimmte Genvariationen mit sexuellen Meilensteinen zusammenhängen – etwa mit dem Beginn der Pubertät und den ersten sexuellen Erfahrungen.

Ein Beispiel ist das CADM2-Gen. Es beeinflusst die Gehirnaktivität in Bezug auf die Risikobereitschaft. Variationen des Gens wurden mit einem früheren Beginn sexueller Aktivitäten in Verbindung gebracht. Das Gen MSRA trägt zudem dazu bei, wie leicht sich jemand gereizt und emotional empfindlich fühlt. Das bedeutet, Menschen mit bestimmten Genvarianten neigen eher zur Nervosität und warten tendenziell länger, bevor sie sexuell aktiv werden.

Wichtig ist: Die Genetik wirkt nie allein. Auch Umwelteinflüsse wie das Familienleben, kulturelle Erwartungen, Bildung und persönliche Werte beeinflussen die Entscheidungen rund um Sexualität.

2. Wie wirken sich Gene auf das Sexualverhalten aus?

Sexuelles Verlangen ist nicht bei allen Menschen gleich ausgeprägt. Manche verspüren häufig und intensiv Lust auf Sex, andere haben ein geringes sexuelles Verlangen. Auch hier liefern Forschende zum Teil Antworten.

Es gibt zwar kein einzelnes Gen für den Sexualtrieb, aber Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass bestimmte Gene an der Produktion von Dopamin beteiligt sind. Dopamin ist das Wohlfühlhormon des Gehirns und wird mit Spaß und Motivation in Verbindung gebracht. Gene wie DRD2 und DRD4, die mit Dopamin zusammenhängen, beeinflussen, wie stark das Gehirn auf Belohnungen reagiert – einschließlich sexueller Reize.

Einige Genvarianten können auch die Libido, die Neugier und das Interesse an Intimität beeinflussen. Dennoch hängt das Verlangen auch stark vom Alltag ab. Stresslevel, Schlaf, die körperliche und geistige Gesundheit sowie emotionale Intimität spielen oft eine ebenso große Rolle wie Genetik, wenn nicht sogar eine größere.

3. Beeinflusst der Geruch die Attraktivität?

Nicht nur das Aussehen oder der Charme können eine extreme körperliche Anziehungskraft auslösen. Auch hier spielt die genetische Kompatibilität eine Rolle.

Der Geruchssinn wirkt sich beispielsweise überraschend darauf aus, wen wir attraktiv finden. Die Gene beeinflussen, wie wir Geschmack und Gerüche wahrnehmen – also auch, ob wir biochemische Körpergerüche als angenehm oder abstoßend empfinden. Die Nase kann also chemische Signale zwischen zwei Menschen wahrnehmen, bevor wir uns dessen überhaupt bewusst werden.

Studien zeigen, dass Menschen sich oft zu Partnern hingezogen fühlen, die andere Gene fürs Immunsystem tragen als sie selber – die sogenannten MHC-Gene. Diese Unterschiede können den natürlichen Geruch beeinflussen und auf genetische Kompatibilität hindeuten.

Die Theorie haben Forscherinnen und Forscher mit Probanden in dem klassischen „Sweaty T-Shirt“-Experiment untersucht (verschwitztes T-Shirt). Die teilnehmenden Frauen bevorzugten durchweg den Geruch von Männern, deren Immunsystem von ihrem eigenen abwich. Eine mögliche Erklärung auf biologischer Ebene ist, dass die Unterschiede eine bessere Chance bieten, stärkere Abwehrkräfte an Nachkommen weiterzugeben.

4. Wie bestimmen Glückshormone emotionale Bindungen?

Auch ob Sie sich nach tiefen, emotionalen Bindungen sehnen oder lieber lockere und ungezwungene Partnerschaften eingehen, wird teilweise von der DNA beeinflusst. Sie prägt mit, wie das Gehirn Bindungen verarbeitet. Gene, die mit Vasopressin und Oxytocin (dem Bindungshormon) in Verbindung stehen, kommunizieren mit Gehirnschaltkreisen, die für Motivation und Emotionen zuständig sind.

Genvarianten können beeinflussen, wie leicht Menschen emotionale Bindungen eingehen. Sie wirken sich auch darauf aus, wie viel Nähe wir als angenehm empfinden, und sogar darauf, wie sicher sich jemand in einer Partnerschaft fühlt.

Mit anderen Worten: Unsere vererbbare Veranlagung kann mitbestimmen, ob wir eher treu und bindungsorientiert sind, lockere Beziehungen bevorzugen oder irgendwo dazwischen liegen.

5. Wie wichtig ist emotionale Belastbarkeit?

Nicht jeder kann mit den Höhen und Tiefen des Datings gleich gut umgehen. Eine verspätete Nachricht, eine Meinungsverschiedenheit oder mehr Nähe bringen manche Leute kaum aus der Ruhe, für andere sind solche Situationen jedoch schwer zu bewältigen.

Einige Gene helfen dabei, Stresshormone und die emotionalen Reaktionen zu steuern. Sie haben auch einen genetischen Einfluss darauf, wie Geist und Körper unter Druck reagieren. Variationen in FKBP5 und CRHR1 beeinflussen, wie Cortisol – das wichtigste Stresshormon des Körpers – bei sozialen Spannungen oder Konflikten steigt und sinkt.

Die Unterschiede zeigen sich beispielsweise im Kommunikationsstil. Manche Menschen vermeiden Konfrontationen, andere suchen Bestätigung oder ziehen sich zurück, wenn ihnen die Situation zu viel wird.

6. Wie wirkt sich die Persönlichkeit auf Dating aus?

Auch die Persönlichkeit wird von der DNA geprägt. Sie wirkt sich darauf aus, wie wir daten. Sind Sie der Typ, der neue Abenteuer liebt, seinen Impulsen folgt oder sich in sozialen Situationen wohlfühlt? Eigenschaften wie diese beeinflussen, wie wir mit Romantik umgehen.

DRD4 und DRD2 sind Genvarianten, die sich auf die Dopaminproduktion auswirken und mit Neugier, Risikobereitschaft und Geselligkeit assoziiert werden. Das COMT-Gen beeinflusst, wie das Gehirn mit Belohnungen und Stress umgeht, und trägt zu impulsiven Tendenzen bei. Zudem steht SLC6A4, ein Serotonin-Transporter-Gen, mit emotionaler Sensibilität und Offenheit in Verbindung.

Diese genetischen Unterschiede helfen zu erklären, warum manche Dating und Sex sehr aufregend finden und andere lieber vorsichtig bleiben. Sie beeinflussen mit, wie schnell wir uns öffnen, mit Unsicherheiten umgehen und ob wir in romantischen Beziehungen Vielfalt oder Stabilität bevorzugen.

Bestimmen Gene also das Liebesleben?

Erklärt die Genetik das Sexleben? Wir haben gelernt, dass die Biologie den Kontext liefert, unser Verhalten aber nicht vollständig erklärt.

Genetische Faktoren steuern viele Prozesse im Körper – etwa Hormone, Botenstoffe im Gehirn, Signale des Immunsystems und der Nerven. Das wirkt sich auch auf Persönlichkeit, Verlangen, Anziehung, Bindungsfähigkeit und den Zeitpunkt der Pubertät aus. Sie legen aber nicht fest, welche Werte wir haben, welche Entscheidungen wir treffen oder welche Bedeutung Beziehungen für uns haben.

Letztendlich spielen Gene zwar eine Rolle, aber die Umgebung, Erfahrungen, die Entscheidungen und die persönliche Entwicklung entscheiden zu einem größeren Teil über das Sexleben und darüber, wie Beziehungen entstehen.

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