Hormon Prolaktin: Bedeutung, Funktionen und Blutwerte
Veröffentlicht: 30/01/2026
Zuletzt aktualisiert: 30/01/2026
Prolaktin kennen viele nur als das Hormon, das nach der Geburt die Milchbildung anregt. Doch es kann weit mehr: Es beeinflusst die Fruchtbarkeit, den Stoffwechsel und sogar das Immunsystem. Hier erfahren Sie, was Prolaktin ist, welche Funktionen es übernimmt, warum die Hormonwerte steigen oder fallen können und welche Symptome dabei auftreten.
Was ist das Wichtigste zum Hormon Prolaktin?
- Aufgabe: Zur Funktion von Prolaktin gehören die Milchproduktion, das Brustwachstum und weitere Prozesse, die den Körper im Gleichgewicht halten.
- Blutwerte: Schwangerschaft, Stress, Medikamente oder Probleme mit der Hypophyse können für niedrige oder erhöhte Prolaktinspiegel sorgen.
- Unterstützende Maßnahmen: Bluttests, ein gesunder Lebensstil, Medikamente und Hormontherapien helfen dabei, den Prolaktinspiegel in einem gesunden Bereich zu halten.
Was ist Prolaktin?
Prolaktin ist ein Hormon, das die Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) ausschüttet. Es wird auch PRL-Hormon genannt. Während der Schwangerschaft wird das Hormon vermehrt produziert, um den Körper auf die Stillzeit vorzubereiten.
Dopamin sorgt dafür, dass der Prolaktinspiegel im Blut nicht zu hoch ansteigt. Der Botenstoff wird im Hypothalamus im Gehirn gebildet. Beim Stillen oder bei Stimulation der Brustwarzen aktivieren sich Nerven, die Signale an das Gehirn senden. Sie reduzieren die Ausschüttung von Dopamin. Dadurch steigt der Spiegel an und regt die Milchproduktion in den Brustdrüsen während der Stillzeit an.
Auch Östrogene erhöhen den Prolaktinwert, besonders während der Schwangerschaft und zu bestimmten Zeiten im Menstruationszyklus. Hormone wie Oxytocin und Thyrotropin-freisetzendes Hormon können den Prolaktinspiegel ebenfalls erhöhen.
Die Hypophyse produziert zwar den Großteil des Prolaktins im Körper, aber geringe Mengen werden auch in der Gebärmutter, den Brüsten, dem Gehirn, den Immunzellen und sogar in der Haut gebildet. Dort wirkt PRL hauptsächlich direkt, wo es produziert wird, anstatt sich über den Blutkreislauf zu verbreiten. So unterstützt es das Gewebe nach seinen Bedürfnissen.
Welche Funktionen hat Prolaktin im Körper?
Prolaktin ist zwar vor allem in der Schwangerschaft und der Stillzeit wichtig, doch das Hormon erfüllt noch weitere Aufgaben. Zu ihnen gehören:
- Milchproduktion: PRL signalisiert den Brüsten, nach der Geburt Milch zu produzieren, um das Baby mit den notwendigen Nährstoffen zu versorgen.
- Reproduktive Gesundheit: Bei Frauen beeinflusst Prolaktin in Zusammenarbeit mit anderen Fortpflanzungshormonen den Eisprung, den Menstruationszyklus und die Fruchtbarkeit. Bei Männern kann es das Testosteron und die Spermienproduktion beeinflussen.
- Unterstützung des Immunsystems: Es hilft dem Immunsystem dabei, Infektionen abzuwehren und den Körper zu schützen.
- Stoffwechsel und Wachstum: Prolaktin beeinflusst, wie der Körper mit Fetten und Proteinen umgeht. Es trägt zum Wachstum und zur Reparatur von Gewebe bei.
- Emotionale Gesundheit: Es kann die Bindung, das mütterliche Verhalten und die Reaktion des Körpers auf Stress beeinflussen.
Beeinflusst Prolaktin auch andere Sexualhormone?
Prolaktin wirkt sich auch auf andere Fortpflanzungshormone aus. Es senkt etwa die Ausschüttung von GnRH, wodurch auch das luteinisierende Hormon (LH) und das follikelstimulierende Hormon (FSH) sinken. Das kann bei Frauen den Eisprung unterdrücken und bei Männern den Testosteronspiegel senken. Infolgedessen wird es schwieriger, Kinder zu bekommen und der normale Hormonhaushalt kann gestört sein.
Was sind normale Prolaktinwerte?
Die Prolaktinwerte variieren je nach Geschlecht, Alter und Lebensphase und können sich zusätzlich von Labor zu Labor leicht unterscheiden. Die folgenden Werte sind den Referenzbereichen Standort Potsdam des IMD entnommen.
| Lebensphase des Mannes | Zyklusphase der Frau | Referenzbereich Prolactin in µg/l |
| Follikelphase | unter 16,0 | |
| Ovulationsphase | unter 20,0 | |
| Lutealphase | unter 18,0 | |
| Postmenopause | unter 16,0 | |
| 18 bis 99 Jahre | 3,46 bis 19,4 |
Ist der Wert bei Frauen größer als 20 und bei Männern größer als 25 µg/l, wird oft zusätzlich der relative Anteil an Makroprolaktin bestimmt. Makroprolaktin ist eine überwiegend inaktive Form des Hormons. Es verursacht häufig keine typischen Beschwerden und erfordert daher oft keine Behandlung. Grenzwerte können je nach Labor leicht abweichen.
Nach der Geburt bleibt der Prolaktinspiegel nicht dauerhaft auf dem Schwangerschaftsniveau erhöht. Er steigt vor allem an, wenn die Brustwarzen stimuliert werden. Das hilft dem Körper, Milch zu produzieren. Wenn das Stillen nachlässt oder aufhört, sinkt auch der Prolaktinwert und es gibt weniger Muttermilch. Innerhalb von ein bis zwei Wochen nähern sich die Blutwerte häufig wieder denen einer nicht schwangeren Frau an.
Wie wird Prolaktin gemessen?
Der Prolaktinspiegel wird mit einem einfachen Bluttest gemessen. Da sich die Konzentration im Laufe des Tages ändern kann, führt der Arzt oder die Ärztin die Blutentnahme meist morgens vor dem Essen durch.
Welche Informationen liefern die Prolaktin-Blutwerte?
Der Blutwert Prolaktin hilft dabei, mögliche gesundheitliche Probleme oder Störungen aufzudecken. Wenn Ihr Arzt den Prolaktinwert kennt, kann er Diagnosen erstellen und Behandlungen einleiten. So gibt Prolaktin etwa Hinweise auf:
- hormonelle Ungleichgewichte
- Probleme mit der Hypophyse
- Unfruchtbarkeit
Wie oft sollte der Prolaktinspiegel überprüft werden?
Die Häufigkeit der Prolaktinuntersuchungen hängt von Ihren Symptomen und dem jeweiligen Behandlungsplan ab. Bei den meisten Menschen wird der Hormonspiegel überprüft, wenn sie Beschwerden haben oder Medikamente einnehmen. Ihr Arzt kann den Prolaktinwert auch regelmäßig überwachen, um sicherzustellen, dass die Behandlungen wirksam sind und die Werte im gesunden Bereich bleiben.
Was verursacht einen hohen Prolaktinspiegel?
Wenn Prolaktin erhöht ist, sprechen Mediziner von Hyperprolaktinämie. Ursachen hierfür können natürliche Faktoren sein, Erkrankungen oder auch Medikamente. Häufige Auslöser sind:
- Schwangerschaft und Stillzeit: In diesen Phasen steigt der Prolaktin-Wert natürlich an, damit die Brustdrüse Milch produziert.
- Stress: Körperlicher oder emotionaler Stress kann den Spiegel vorübergehend erhöhen.
- Medikamente: Einige Antidepressiva und Blutdruckmedikamente können den Prolaktinspiegel erhöhen.
- Erkrankungen der Hypophyse: Gutartige Tumore führen dazu, dass die Drüse zu viel von diesem Hormon produziert. So eine Zellansammlung wird auch Prolaktinom genannt.
- Andere Erkrankungen: Eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) oder eine chronische Nierenerkrankung können ebenfalls Ursachen sein.
Was sind die Symptome erhöhter Prolaktinwerte?
Wenn zu viel von dem Hormon vorhanden ist, kann das verschiedene Folgen haben. Zu den Beschwerden gehören etwa:
- eine unregelmäßige oder ausbleibende Menstruation bei Frauen
- unerwartete Milchproduktion (auch wenn keine Schwangerschaft oder Stillzeit vorliegt)
- eine verringerte Libido oder Schwierigkeiten mit der Sexualfunktion
- Unfruchtbarkeit oder Schwierigkeiten, schwanger zu werden
- Stimmungsschwankungen
- Müdigkeit
Wie wirkt sich ein hoher Prolaktinspiegel auf die Gesundheit aus?
Wenn der Prolaktinwert über einen längeren Zeitraum erhöht bleibt, kann sich das auf die Gesundheit auswirken. Mögliche Folgen sind etwa:
- Fruchtbarkeit von Frauen: Hohes Prolaktin beeinträchtigt die Fruchtbarkeit. Es hemmt nämlich die Ausschüttung der Hormone, die für den Eisprung notwendig sind (GnRH, LH und FSH). Dadurch wird möglicherweise nicht jeden Monat eine Eizelle freigesetzt. Außerdem kann es zu unregelmäßigen oder ausbleibenden Menstruationszyklen kommen.
- Fruchtbarkeit von Männern: Erhöhtes Prolaktin beim Mann kann den Testosteronspiegel senken. Das führt zu vermindertem Sexualtrieb, Erektionsstörungen, Unfruchtbarkeit oder einer Vergrößerung der Brust (Gynäkomastie).
- Knochengesundheit: Ein dauerhaft erhöhter Prolaktinspiegel kann über einen Mangel an Östrogen oder Testosteron die Knochen schwächen und das Risiko für Osteoporose erhöhen.
- Emotionale Gesundheit: Müdigkeit, Stimmungsschwankungen und andere Folgen können das tägliche Leben beeinträchtigen.
Was verursacht einen niedrigen Prolaktinspiegel?
Zu wenig Prolaktin hingegen ist seltener und wird Hypoprolaktinämie genannt. Zu den Hauptursachen hierfür gehören etwa:
- Probleme mit der Hypophyse: Sie können die Produktion von Prolaktin senken. Gründe dafür sind etwa das Sheehan-Syndrom, ein Tumor, eine Operation oder eine Strahlentherapie.
- Hormonelle Störungen: insbesondere von Hormonen, die die Hypophyse regulieren
- Medikamente: besonders solche, die Dopamin beeinflussen
- Angeborener Hypopituitarismus: seltene erbliche Störungen wie eine Unterfunktion der Hypophyse
- Schwere körperliche Belastungen: chronische Erkrankungen, größere Operationen
- Rauchen: Auch Nikotin kann die Milchbildung verringern.
- Komplikationen nach der Geburt: Zurückgebliebenes Plazentagewebe kann hormonell aktiv bleiben und so die Prolaktinausschüttung hemmen.
Was sind die Folgen eines niedrigen Prolaktinspiegels?
Die Symptome einer verringerten Freisetzung von Prolaktin sind in der Regel nicht sofort spürbar und deshalb auch nicht leicht zuzuordnen. Zu ihnen gehören etwa:
- Probleme oder Unfähigkeit beim Stillen
- unregelmäßige oder ausbleibende Menstruation bei Frauen
- Probleme bei der Erfüllung des Kinderwunsches
- Müdigkeit oder Energielosigkeit
Können Männer Probleme mit dem Prolaktinspiegel haben?
Ja, ein hoher Prolaktinspiegel kann beim Mann den Testosteronspiegel senken, sexuelle Funktionsstörungen verursachen, die Fruchtbarkeit beeinträchtigen oder sogar zu einer Vergrößerung der Brust (Gynäkomastie) führen. Auch wenn erhöhtes Prolaktin eher bei Frauen auftritt, sollten auch Männer sich untersuchen lassen, wenn sie sexuelle oder hormonelle Probleme bemerken.
Wie kann man einen abweichenden Prolaktin-Wert behandeln?
Wie sich Probleme mit dem Hormonspiegel behandeln lassen, hängt von der Ursache ab. Zu den gängigsten Therapien gehören unter anderem:
- Lebensstil anpassen: Stress abzubauen, ein besserer Schlaf und regelmäßige Bewegung helfen dabei, leichte Ungleichgewichte auszugleichen.
- Medikamente: Umerhöhtes Prolaktin zu senken, verschreibt die Ärztin häufig Medikamente, die als Dopaminagonisten bezeichnet werden.
- Hormontherapie: In einigen Fällen kann eine Hormonersatztherapie eingesetzt werden, etwa wenn der Prolaktinspiegel niedrig ist oder noch andere Hormone betroffen sind.
- Werte überwachen: Durch regelmäßige Kontrollen des Prolaktinwerts kann Ihr Arzt die Behandlung anpassen.
Wann sollten Sie Ihren Prolaktinspiegel überprüfen lassen?
Lassen Sie sich bei Beschwerden frühzeitig untersuchen, damit eine Behandlung Komplikationen verhindern kann. Sie sollten sich an einen Arzt oder eine Ärztin wenden, wenn Sie folgende Anzeichen bemerken, die mit dem Hormon Prolaktin in Zusammenhang stehen können:
- Unerwartete Milchproduktion
- Unregelmäßige oder ausbleibende Menstruation
- Fruchtbarkeitsprobleme
- Plötzliche Veränderungen der Sexualfunktion oder Libido
- Veränderungen im Brustgewebe
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