Anti-Müller-Hormon (AMH): Wirkung, Funktion, Eizellenreserve

Ein Paar schaut auf einen Schwangerschaftstest. Sinnbild für das Anti-Müller-Hormon.
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Veröffentlicht: 11/02/2026
Zuletzt aktualisiert: 11/02/2026

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Viele Frauen fragen sich, wie lange sie noch eine Chance auf eine Schwangerschaft haben. Das Anti-Müller-Hormon (AMH) liefert hierbei Informationen darüber, wie gut Ihre Eierstöcke arbeiten, wie groß Ihre Eizellreserve ist und wie es insgesamt um Ihre Fruchtbarkeit steht.

Wer seinen AMH-Wert bestimmen lässt, kann somit fundiertere Entscheidungen zur Familienplanung, zu Kinderwunschbehandlungen oder anderen Aspekten der Reproduktionsmedizin treffen. Hier erfahren Sie, was das Hormon macht, warum es gemessen wird und was die Ergebnisse über die Fruchtbarkeit aussagen können.

Das Wichtigste zu AMH im Überblick

Das Anti-Müller-Hormon wird als AMH-Wert gemessen und vorwiegend von Zellen in den Eibläschen der Eierstöcke produziert. Bei Frauen zeigt er bis zu den Wechseljahren an, wie viele Eizellen noch in den Eierstöcken vorhanden sind, und liefert so Informationen für die Familienplanung. Bei Männern ist AMH eher für die Entwicklung der Fortpflanzungsorgane während der Embryonalentwicklung notwendig.

Was ist das Anti-Müller-Hormon?

Das Anti-Müller-Hormon (AMH) wird häufig genutzt, um die ovarielle Reserve zu beurteilen – also die Anzahl der in den Eierstöcken verbleibenden Eizellen. Bei Frauen bilden Granulosazellen in den kleinen Follikeln der Eierstöcke das Hormon. Follikel sind kleine, mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen im Eierstock, in denen sich die Eizellen entwickeln, bevor sie freigesetzt werden. Bei Männern wird AMH in den Hoden gebildet, hauptsächlich während der frühen Entwicklung.

Im Gegensatz zu anderen Sexualhormonen, die während des Menstruationszyklus schwanken, bleibt die AMH-Konzentration relativ stabil. Eine einzige Blutuntersuchung kann also zuverlässige Informationen über die Eierstockfunktion liefern.

Ein AMH-Test ist aufgrund dieser Zuverlässigkeit ein fester Bestandteil von Fruchtbarkeitsuntersuchungen und kann dabei helfen, Entscheidungen über die Familienplanung, Kinderwunschbehandlungen und den Zeitpunkt der Empfängnis zu treffen.

Was zeigt das AMH an?

Frauen werden bereits mit allen Eizellen geboren – in der Regel ein bis zwei Millionen. Bis zum Beginn der Pubertät sinkt diese Zahl auf etwa 300.000 bis 400.000 und nimmt mit zunehmendem Alter weiter ab. Anhand des AMH-Spiegels kann die Anzahl der verbleibenden Eizellen abgeschätzt werden.

Die Bestimmung des AMH-Werts ist für Frauen besonders hilfreich, wenn sie Probleme haben, schwanger zu werden, oder künstliche Befruchtungsmethoden wie die In-vitro-Fertilisation (IVF) in Anspruch nehmen.

Der AMH-Wert sagt jedoch nichts über die Qualität der Eizellen aus oder darüber, ob Sie auf natürliche Weise schwanger werden können. Viele Frauen mit niedrigeren Anti-Müller-Hormon-Werten werden trotzdem schwanger, während manche mit höheren Werten Schwierigkeiten haben. Auch die Eizellenqualität, das Alter und die allgemeine Fertilität haben einen Einfluss auf eine Schwangerschaft.

Deshalb wird der Anti-Müller-Hormon-Wert immer zusammen mit anderen Faktoren betrachtet: Erst das Alter, die Krankengeschichte und zusätzliche Untersuchungen ergeben ein klareres Bild der Chancen auf eine Schwangerschaft.

Wann sinkt der AMH-Spiegel bei Frauen?

Der AMH-Wert erhöht sich in der Jugend und erreicht normalerweise Mitte der 20er Jahre den Höhepunkt. Im Alter ist er sehr niedrig und während der Menopause nicht mehr nachweisbar.

Aber das Alter bestimmt nicht allein den AMH-Wert. Manchmal zeigt sich bei jüngeren Frauen ein niedriger AMH-Wert als erwartet, während ältere Frauen eine höhere Konzentration aufweisen. Auch Genetik, Krankengeschichte, die Funktion der Eileiter und der Lebensstil können die ovarielle Reserve beeinflussen.

Wie wird AMH getestet?

Zur Bestimmung des Anti-Müller-Hormons wird ein Bluttest durchgeführt, der an jedem Tag des Zyklus möglich ist. Für den Test sind keine Vorbereitungen erforderlich. Er kann Aufschluss darüber geben, wie viele Eizellen noch in den Eierstöcken vorhanden sind und ob die Alterung der Eierstöcke möglicherweise früher einsetzt als erwartet. Der Wert zeigt auch, wie die ovarielle Stimulation durch Medikamente während einer IVF wirken könnte. Oft wird dabei auch FSH getestet.

Was sind die Vorteile einer AMH-Bestimmung?

Den AMH-Wert überprüfen lassen, kann bei verschiedenen Fragestellungen und Behandlungen helfen. Dazu gehören etwa:

  • Fruchtbarkeit verstehen: Messung der ovariellen Reserve
  • Schwangerschaft planen: um sich auf eine Schwangerschaft vorzubereiten oder sie hinauszuzögern
  • Behandlungen einleiten: liefert Informationen, etwa für eine IVF
  • Klinische Behandlungen: Durchführung vor Operationen, Chemotherapien oder anderen Behandlungen, die die Eierstockfunktion beeinträchtigen könnten.

Der Test kann zwar wertvolle Informationen liefern, das Ergebnis sollte jedoch immer von einem Arzt oder einer Ärztin interpretiert werden. Allein aus dem AMH-Wert lässt sich nicht sicher ablesen, ob Sie (noch) schwanger werden können. Nur zusammen mit anderen Untersuchungen ergibt sich ein vollständiges Bild.

AMH-Wert: Was sagt er über die Fruchtbarkeit?

Der AMH-Wert kann je nach Alter und individuell unterschiedlich ausfallen, weshalb es keinen einheitlichen Normalwert gibt. Die normalen Werte für Fertilität können sich zudem je nach Labor unterscheiden. Die folgende AMH-Tabelle zeigt die Referenzbereiche für Frauen im gebärfähigen Alter, die die Kinderwunschklinik Invimed angibt:

AMH WertBedeutung
unter 1,0 ng/mlMöglicher Hinweis auf eine niedrige ovarielle Reserve, weitere Untersuchungen nötig
1,0 bis 3,0 ng/mlgelten allgemein als Normwerte
über 6 ng/mlKann häufig auf eine größere Anzahl von Follikeln hin und auf das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) hinweisen

Um ein vollständiges Bild über die Eizellen zu erhalten, sollten auch weitere Marker und Untersuchungen ausgewertet werden. Werte im Normalbereich bedeuten nicht immer eine gute Fertilität. Wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, um eine mögliche Diagnose und Behandlung zu bekommen.

Welche Faktoren beeinflussen den Anti-Müller-Hormonspiegel?

Es gibt vieles, was sich auf die Konzentration des Anti-Müller-Hormons auswirken kann. Dazu gehören:

  • Alter: Der AMH-Spiegel sinkt mit der Zeit auf natürliche Weise, da die Anzahl an Eizellen mit zunehmenden Jahren abnimmt.
  • Krankheiten: PCOS erhöht häufig den AMH-Spiegel, weil sich mehr Follikel im Eierstock befinden.
  • Hormonelle Verhütungsmittel: Antibabypillen oder andere hormonelle Verhütungsmethoden können den AMH-Spiegel während der Anwendung vorübergehend leicht senken.
  • Medizinische Behandlungen: Chemotherapie, Eierstockoperationen oder Bestrahlung können den AMH-Wert senken, indem sie die Eierstockfunktion beeinträchtigen.
  • Lebensstilfaktoren: Rauchen und andere ungesunde Gewohnheiten können die Gesundheit der Eierstöcke im Laufe der Zeit beeinträchtigen.

Kann man den AMH-Wert verbessern?

Sobald die AMH-Werte sinken, gibt es keine bewährte Methode, um sie signifikant zu erhöhen. Hier sind realistische Erwartungen sinnvoll. Der AMH-Wert spiegelt hauptsächlich die Anzahl der noch vorhandenen Eizellen wider, die auf natürliche Weise abnimmt.

Es gibt darüber hinaus jedoch bestimmte Maßnahmen, um die Fruchtbarkeit zu schützen. Sie helfen dabei, die Funktion der Eierstöcke so lange wie möglich aufrechtzuerhalten:

  • Ausgewogene Ernährung
  • Stress bewältigen und die mentale Gesundheit an erste Stelle stellen
  • Nicht rauchen
  • Erkrankungen frühzeitig behandeln

Ist das Anti-Müller-Hormon zu niedrig, kann eine IVF deutlich schwieriger werden und die Erfolgschancen sinken. In den Invimed-Kliniken gelten Werte unter 0,7 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) als Hinweis auf eine stark verminderte Eizellreserve. Ob eine Behandlung dennoch sinnvoll ist, entscheidet im Einzelfall immer die Kinderwunschklinik. Einige Frauen mit Kinderwunsch können auch das Einfrieren von Eizellen in Betracht ziehen – auch dann, wenn medizinische Behandlungen die zukünftige Fruchtbarkeit beeinträchtigen könnten.

Welche Funktion hat das Anti-Müller-Hormon bei Männern und Kindern?

Bei Männern spielt AMH vor allem während der Embryonalentwicklung eine wichtige Rolle: Es wird von Sertoli-Zellen in den Hoden gebildet und sorgt dafür, dass sich die Müller-Gänge zurückbilden – daraus würden sich sonst Gebärmutter und Eileiter entwickeln – und sich männliche Geschlechtsorgane entwickeln. Der AMH-Spiegel ist daher bei Babys und Kindern zunächst hoch und nimmt im Verlauf der Pubertät ab.

Später nutzen Ärztinnen und Ärzte den Wert vor allem bei speziellen Fragestellungen, etwa bei unklarem Hodenbefund oder Hodenhochstand im Kindesalter. Bei erwachsenen Männern beschränkt sich die Untersuchung auf wenige medizinische Fälle. Im Gegensatz zu Frauen zeigt AMH bei Männern, wie die Hoden wachsen und funktionieren, sagt aber nichts über die Fruchtbarkeit aus.

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